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Fussball

Luis Figo: Als der FC Barcelona das Angebot von Real Madrid für einen Scherz hielt

Von Filip Knopp
Luis Figo wechselte von Barca zu Real Madrid.

Lionel Messi versetzte Barcelona mit seinen Wechselabsichten in diesem Sommer in einen Schockzustand. Ähnlich blank lagen die Nerven in Katalonien, als Luis Figo im Jahr 2000 mit seiner Unterschrift bei Real Madrid vom Helden zur Persona non grata wurde. Das Angebot des Erzrivalen hielten die Barca-Bosse damals erst für einen Scherz.

Der "Barcelonismo", eine Bezeichnung für den Kosmos des FC Barcelona, war tagelang erschüttert. Nach zwei Dekaden sah Galionsfigur Lionel Messi seine Etappe bei den Katalanen als beendet an. Nicht jedoch, weil er grundsätzlich aufhören wollte mit dem Fußballspielen. Kurz erklärt: Der Argentinier hatte genug von Barcas sportlichem Misserfolg und genug von der Chefetage um Präsident Josep Bartomeu, wollte den Verein seines Lebens daher verlassen.

Jetzt bleibt er vorerst doch, wie er exklusiv bei SPOX und Goal verkündete - aber nur, weil sich angesichts des Streits um die Gültigkeit der 700-Millionen-Euro-Austiegsklausel keine Lösung finden ließ und Messi unter keinen Umständen gegen Barca vor Gericht ziehen möchte.

Zu den Blaugrana gewechselt war er Mitte 2000 als 13-Jähriger. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem die Nerven bei den Cules zuletzt ähnlich blank gelegen hatten, wie es jetzt wieder der Fall ist. Als Messi kam, ging nämlich ein gewisser Luis Figo - zu Real Madrid, dem großen Erzrivalen. Nach fünf Spielzeiten im Barca-Trikot machte es dem Superstar nicht wirklich etwas aus, den Schritt zu gehen, den sich viele definitiv nicht zutrauen würden.

Erklären lässt sich das etwa mit den Geschehnissen am 21. Oktober 2000 und am 23. November 2002, als Galactico Figo jeweils in das Camp Nou zurückkehrte. Ohrenbetäubende Pfiffe, beleidigende Sprechchöre, diffamierende Transparente, Wurfgeschosse, der Kopf eines Spanferkels am Spielfeldrand - die Fans seines Ex-Klubs empfingen den Portugiesen, für sie ein Verräter der übelsten Sorte, feindselig. Knapp 100.000 gegen einen.

Rund um die Gastspiele mussten Großaufgebote der Polizei Figo und Real Schutz bieten. 2002 nahm der Hass sogar noch größere Ausmaße an als 2000. Der Clasico stand wegen des wütenden Barca-Mobs vor dem Abbruch, wurde dann aber "nur" für rund 15 Minuten unterbrochen.

Luis Figo: "Ich war besorgt, dass mir etwas zustoßen könnte"

"Ich war besorgt, denn ich wusste, dass mir etwas zustoßen könnte", gestand Figo vor einigen Jahren rückblickend. Aber er bereute seine Entscheidung zu keiner Zeit, zumal er als Profi des weißen Balletts mit dem Gewinn des Champions-League-Titels "am Ende meines Traums angekommen" war und sogar zum Weltfußballer gekürt wurde.

"In Sachen Tradition und Titel war Real Madrid allen anderen Vereinen voraus. Dieser Klub ist wirklich einzigartig. Real ist der erfolgreichste Verein der Welt. Das war für mich der alles entscheidende Grund, warum ich diesen Schritt damals gegangen bin", so Figo, den es in Madrid ebenfalls fünf Jahre hielt.

Die Kuriosität hinter dem Mega-Transfer: In Barcelona konnte oder wollte man es zunächst gar nicht glauben, dass die Königlichen eine Offerte für den damals 27-Jährigen einreichen. Sie hielten es für einen schlechten Scherz - obwohl in Josep Samitier (1932), Lucien Muller (1965), Bernd Schuster (1988), Luis Milla (1990), Fernando Munoz García (1992) und Michael Laudrup (1994) zuvor schon sechs Profis den direkten Weg von Barca zu Real gegangen waren. Figo selbst war Reals Interesse ebenfalls nicht geheuer gewesen, wie er der Sportzeitung AS kürzlich gestand.

Figo über Real-Angebot: "Barca nahm mich damit nicht ernst"

"Mein Berater rief mich an. Ich hatte ihm zugehört, aber gleichzeitig nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit geschenkt. Ich leitete das Angebot dann an die Verantwortlichen von Barca weiter. Sie nahmen mich damit allerdings auch nicht sehr ernst", verriet der heute 47-Jährige, der am 22. Juli 2000 aber tatsächlich in Spaniens Hauptstadt übersiedeln sollte.

Barca hatte seinen Star zuvor hinsichtlich einer Vertragsverlängerung ein ums andere Mal vertröstet, er klagte hinterher über eine zu geringe Wertschätzung und Anerkennung. Figos Rache: die Unterschrift in Madrid.

Die Katalanen standen dem Wechsel machtlos gegenüber, weil der Flügelspieler dank einer in seinem Arbeitspapier verankerten Ausstiegsklausel in Höhe von umgerechnet rund 60 Millionen Euro problemlos gehen konnte. Er avancierte damit zu jener Zeit zum teuersten Spieler der Welt und erhöhte sein Netto-Gehalt von 4,4 auf 9,6 Millionen Mark um mehr als das Doppelte.

Florentino Perez bei Real Madrid: Figo als Wahlversprechen

Aus Reals Perspektive war es keine übliche Verpflichtung. Es war ein Coup für die Geschichtsbücher, ein Statement - insbesondere von Florentino Perez. Der spanische Bauunternehmer hatte 2000 erstmals für die Präsidentschaft der Madrilenen kandidiert und gegenüber den rund 80.000 Mitgliedern mit dem Versprechen, Figo das weiße Trikot überzustreifen, feinste Eigenwerbung betrieben. Sie wählten ihn und sahen, wie ihr neues Oberhaupt sein Wort nur eine Woche später wie selbstverständlich in die Tat umsetzte.

Der Top-Star des Erzfeinds gehörte jetzt ihnen, den noch renommierteren Königlichen. Das traf selbst späteren Ikonen von Barca gehörig ins Mark. "Als Fan würde ich diesen Wechsel als eine meiner schlimmsten Erinnerungen bezeichnen. Für die Anhänger und den Verein war es einfach nur eine schreckliche Zeit", erinnerte sich Gerard Pique in dem französischen Magazin So Foot. "Das war ein Schock! Er war der Beste und ging zum ewigen Rivalen. Das ist so, als würde Messi jetzt nach Madrid gehen", sagte Xavi bei Canal Plus.

Messi und Madrid? Nein, der 33-jährige "Gaucho" macht es Figo nicht nach - jedenfalls nicht in diesem Sommer, und sehr wahrscheinlich auch nicht in Zukunft. Die Aufruhr um den Zauberfuß könnte sich aber bald wiederholen, denn zum 30. Juni 2021 läuft sein Kontrakt aus.

Einerseits wird Barca dann einen neuen Präsidenten haben, da Bartomeu nicht erneut gewählt werden kann. Andererseits könnte Messi dann definitiv ablösefrei gehen. Vertrag erfüllt, Mission erfüllt. Wenngleich das versöhnlicher klingen mag, dürfte sich der "Barcelonismo" auch dann bemerkbar machen. So wie zuletzt. Und so wie einst bei Figo.

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