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Fussball

Als Jose Mourinho Tim Wiese zum Herausforderer von Iker Casillas bei Real Madrid machen wollte

Tim Wiese bereute seine Entscheidung gegen Real Madrid schnell.

Mit Iker Casillas beendet einer der besten und erfolgreichsten Torhüter aller Zeiten seine Karriere. Eine Karriere, die vermutlich ein wenig anders verlaufen wäre, hätte Tim Wiese im Sommer 2012 auf Jose Mourinho statt Roger Wittmann gehört.

Es gibt Geschichten, die kann man sich nicht einmal ausdenken. Zum Beispiel die, dass Tim Wiese einmal für Real Madrid hätte spielen können, einen Wechsel zur TSG Hoffenheim aber für sinnvoller erachtete, um nach nur einem Jahr im Kraichgau keine Rolle mehr zu spielen, in der "Trainingsgruppe 2" zu landen und wenig später seine Karriere zu beenden. Doch der Reihe nach.

Kurz nach der Saison 2011/12 war Jose Mourinho mächtig angefressen. "The Special One" hatte mit Real Madrid zwar einen bis heute unübertroffenen Rekord mit 100 Punkten und 121 Toren in der spanischen Liga aufgestellt, allein mit dem Gewinn der Meisterschaft gab sich der damalige Cheftrainer aber nicht zufrieden. Er lechzte nach dem großen Wurf, nach "la Decima".

Eine Niederlage gegen Bayern brachte Mourinho ins Grübeln

Zehn Jahre warteten die Königlichen zum damaligen Zeitpunkt schon auf ihren zehnten Champions-League-Titel und er, der vermeintliche Übertrainer, war schließlich gekommen, um das zu ändern. Also drehte er jeden Stein um, analysierte die Saison und vor allem das knappe Aus im Halbfinale gegen den FC Bayern. Dabei fiel ihm unter anderem auf, dass die Münchner einen besseren Torhüter in ihren Reihen hatten. Den zu jener Zeit wohl besten.

Manuel Neuer hatte beim Elfmeterschießen im Estadio Santiago Bernabeu ausgerechnet die Schüsse der Weltstars Cristiano Ronaldo und Kaka pariert. "Das", sollte Mourinho noch Jahre später sagen, "war die bitterste Niederlage meiner Karriere." Er sei auf dem Weg nach Hause in Tränen ausgebrochen. "Was willst du machen, wenn deine zwei besten Schützen in der Lotterie des Elfmeterschießens scheitern?"

Perez funkte Rummenigge an - wegen Neuer

Eine Antwort auf diese Frage gab Mourinho in der Öffentlichkeit nie. Er kannte sie aber genau. Nach seiner Saisonanalyse stand für ihn fest, die Torhüterposition des spanischen Rekordmeisters stärken zu wollen. Das Problem: Iker Casillas hütete zu jener Zeit den Kasten der Madrilenen. "San Iker", der heilige Iker, eine fleischgewordene Institution im Kosmos der Galaktischen, seit mehr als einem Jahrzehnt unverzichtbar.

Nun war und ist Mourinho bis heute gewiss kein Trainer, der vor großen Namen zurückschreckt, im Fall von Casillas aber war ihm klar, dass er sehr gute Argumente anbringen müsste, um einen Wechsel zwischen den Pfosten zu vollziehen, ohne sich dabei zum Staatsfeind Nummer eins in Madrid zu machen. Casillas war zu diesem Zeitpunkt noch Welttorhüter.

Es heißt, Mourinho habe Real-Präsident Florentino Perez um die Verpflichtung Neuers gebeten. Dieser habe sich daraufhin auf mit seinem guten Freund Karl-Heinz Rummenigge in Verbindung gesetzt, um nachzuhorchen, ob es denn möglich sei, den deutschen Schlussmann unter Vertrag zu nehmen. Vergebens. Es sei nicht einmal zu einem Gespräch zwischen Real und Neuer gekommen, so aussichtslos sei die Antwort von Rummenigge in Richtung Perez ausgefallen.

Wiese und Real: "Es war nicht bloß ein Gerücht"

Also musste Mourinho umplanen. Auf der Suche nach einer Alternative dachte er sich wohl, dass es ja auch noch andere gute Torhüter aus Deutschland gebe. Jedenfalls kam er auf den Gedanken, sich bei Neuers Vertreter in der Nationalmannschaft zu melden: Tim Wiese.

"Es war nicht bloß ein Gerücht", sagte der damalige Torwart von Werder Bremen in einem 2018 erschienenen Interview mit Sport1. "Mourinho wollte mich unbedingt." Im Beisein von Spielervermittler Reza Fazeli, der zwei Jahre zuvor Mesut Özil in die spanische Hauptstadt gebracht hatte, sei es zu einem Telefonat mit dem Portugiesen gekommen. "Er sagte mir, dass ich mich beweisen kann und es einen fairen Kampf mit Casillas geben soll", berichtete Wiese. Mourinho habe sich ihm gegenüber "total nett" präsentiert, er sei "positiv angetan" gewesen. Und: "Auch Reza war der Meinung, dass es eine Riesenchance sei."

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