Juventus Turin: Trainer Maurizio Sarri nach Champions-League-Aus entlassen - Andrea Pirlo übernimmt

Von SPOX/SID
Andrea Pirlo hatte seine Karriere Anfang 2018 beendet. Von 2011 bis 2015 hatte er das Trikot von Juventus getragen.
© imago images / Gribaudi/ImagePhoto

Mittelfeldlegende Andrea Pirlo ist neuer Trainer von Juventus Turin. Nur wenige Stunden, nachdem der italienische Serienmeister Trainer Maurizio Sarri vor die Tür gesetzt hat, stellte die Alte Dame Pirlo als neuen Trainer der Mannschaft um Cristiano Ronaldo vor. Pirlo war eigentlich für ein anderes Amt bei Juve vorgesehen.

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Pirlo, der letzte große Schleicher des Weltfußballs und Maestro der langen Pässe, trug von 2011 bis 2015 das Trikot der Alten Dame und hatte Juventus zu vier Meistertiteln geführt. Erst Ende Juli war er bei Juve als neuer Coach der U23 vorgestellt worden. Pirlo hatte damals verraten, auch Angebote anderer Klubs aus der Serie A und sogar der Premier League gehabt zu haben, aber bei Juve den richtigen Ort gesehen, um "meine Trainerkarriere einzuleiten."

Diese beginnt nun ein paar Stufen weiter oben als ursprünglich gedacht. Pirlos taktische Ideen und seine Vorstellungen für die Einleitung einer neuen Ära bei Juve sollen nach Informationen von SPOX und Goal Klubboss Andrea Agnelli davon überzeugt haben, dem 41-Jährigen nach der Entlassung von Maurizio Sarri den italienischen Serienmeister anzuvertrauen.

Zuvor waren unter anderem auch Zinedine Zidane, Mauricio Pochettino und Simone Inzaghi als Nachfolger Sarris gehandelt worden. Auch eine Rückkehr von Sarris Vorgänger Massimiliano Allegri soll im Gespräch sein. Zidane, von 1996 bis 2001 und seinem Wechsel zu Real als Spieler in Turin aktiv, war am Freitag mit Real Madrid ebenfalls aus der Königsklasse ausgeschieden.

Sarri verlässt Juve nach insgesamt 34 Siegen in 51 Pflichtspielen. 83 Punkte holte die Alte Dame in der abgelaufenen Serie-A-Saison, so wenige waren es bei den nun neun Meistertiteln in Folge noch nie. "Ich bin sehr enttäuscht", hatte Sarri noch direkt nach dem Spiel gesagt. Aber Fragen zu seiner Zukunft? Die bezeichnete er als "beleidigend".

Sarris Rauswurf stieß derweil bei Ex-Juve-Profis sowie zumindest einem Spieler im aktuellen Kader auf Zustimmung: Douglas Costa markierte das offizielle Juve-Statement auf Instagram mit einem "Gefällt mir", genauso wie die früheren Juve-Spieler Mario Mandzukic und Emre Can. Wie schon zuvor bei Chelsea soll Sarri es nicht geschafft haben, ein Verhältnis zu seinen Spielern aufzubauen. Der Kontakt mit Cristiano Ronaldo soll distanziert gewesen sein. Nach dem Gewinn des Scudetto hatte Sarri gesagt: "Wenn ihr sogar mit einem wie mir gewinnt, seid ihr wirklich stark." Ein Witz, der nicht so richtig zündete.

PSG als neuer Arbeitgeber von Ronaldo gehandelt

Auch die Zukunft des fünfmaligen Weltfußballers Cristiano Ronaldo schien nach der Champions-League-Pleite offener denn je. "Wenn man von Ronaldo absieht, was bleibt von Juve übrig? Eine langsame und ungenaue Mannschaft, die nie wirklich gefährlich wird", schrieb der Corriere della Sera nach dem 2:1 (1:1) gegen Olympique Lyon. Und womöglich ist genau das der Grund, weshalb sich die Wege nach zwei Jahren bereits wieder trennen könnten.

Klar ist: Titel auf der europäischen Bühne stehen für Ronaldo, der 2018 mit großen Erwartungen in Turin empfangen wurde, über allem. Weil der Traum mit Juventus nach dem Viertelfinalaus im vergangenen Jahr nun erneut geplatzt ist, wird in italienischen Medien über einen vorzeitigen Abschied spekuliert. Der 35-jährige Ronaldo steht im Herbst seiner Karriere am Scheideweg, sein Vertrag läuft noch bis 2022.

Wie schon vor zwei Jahren wird wieder Paris Saint-Germain mit Thomas Tuchel als neuer Arbeitgeber gehandelt. Wie Ronaldos Gedanken dazu aussehen, bleibt aber offen. Nach der Enttäuschung am Freitagabend sprachen nur die anderen. Juve-Präsident Andrea Agnelli wollte von den Spekulationen jedenfalls nichts wissen und beteuerte, er sei überzeugt, "dass Ronaldo bleiben will. Er ist ein Eckpfeiler unserer Mannschaft."

Wie wichtig der fünfmalige Champions-League-Gewinner selbst im Alter von 35 Jahren noch ist, zeigte er auch gegen Lyon. Per Handelfmeter (43.) und Traumtor (60.) hielt er die Hoffnungen der Alten Dame lange am Leben. Doch ein "Phänomen wie Ronaldo genügt Juve nicht", schrieb die Gazzetta dello Sport. "Es ist, als ob Ronaldos Kraft, die Energie der Teamkollegen geschluckt hätte", kommentierte La Repubblica. Ein vom deutschen Schiedsrichter Felix Zwayer gegebener umstrittener Foulelfmeter brachte Lyon das wichtige Auswärtstor. Memphis Depay verwandelte (12.) - und könnte Andrea Pirlos Trainerkarriere einen mächtigen Anschubser gegeben haben.