Fussball

Transferposse um Mauro Icardi: Bei Inter Mailand im Abseits - bei PSG überflüssig?

Wanda Nara ist Mauro Icardis Ehefrau und Beraterin.

Nach vielen Toren für und womöglich noch mehr Streitereien mit Inter Mailand wechselt Mauro Icardi zu Paris Saint-Germain - das auch ohne ihn über eine exquisit besetzte Offensive verfügt. Über einen Wechsel mit einigem Konfliktpotenzial.

Mauro Icardis Statistiken im Trikot von Inter Mailand schreien nur eines: Legende! In seinen sechs Jahren im Klub wurde er zweimal Torschützenkönig der Serie A und erzielte insgesamt 124 Pflichtspieltreffer, womit er der siebterfolgreichste Stürmer der Vereinsgeschichte ist. Geschlagen nur von Ikonen wie Giuseppe Meazza, nach dem sie sogar ein Stadion benannten.

Als Meazza seine letzten Tore für Inter erzielte, war er 37. Icardi aber ist erst 26, für italienische Verhältnisse also noch klar vor dem besten Fußballeralter. Hätte er so weitergetroffen, hätte er Meazza wohl eingeholt. Dass das nicht passieren wird, sorgt nun für Erleichterung im ganzen Klub.

Um kurz vor Mitternacht des sogenannten Deadline Days verkündete Inter Icardis Wechsel zu Paris Saint-Germain. Zunächst wird er für ein Jahr ausgeliehen, dann kann ihn PSG für kolportierte 65 Millionen Euro fest verpflichten. Drei Zeilen, die emotionsloser nicht hätten sein könnten, war Inter diese Meldung auf der vereinseigenen Homepage wert. Wie konnte es so weit kommen?

Mauro Icardis Statistiken bei Inter Mailand

SaisonPflichtspieleToreAssists
2013/142392
2014/1548279
2015/1634164
2016/1741267
2017/1836291
2018/1937175

Icardi bei Inter: Tore und Konfrontationen

Nun, zu tun hat das mit einem 32-jährigen blonden Ex-Model namens Wanda Nara. Sie war mal verheiratet mit Maxi Lopez, Icardis damaligem guten Kumpel und Teamkollegen bei Sampdoria Genua. Seit Icardi aber eine Affäre mit ihr hatte, ist er nicht mehr Lopez' Kumpel und sie nicht mehr Lopez' Ehefrau. Stattdessen heiratete Nara eben Icardi und wurde anschließend seine Beraterin. Gut beraten war Icardi in den vergangenen Jahren aber nicht immer.

Während er für Inter Tor um Tor schoss, sorgte er abseits des Rasens für Aufreger um Aufreger. Kurz nachdem Icardi im Sommer 2015 (mit 22) zum Kapitän ernannt worden war, beklagte er sich darüber, dass ihn seine Teamkollegen zu schlecht in Szene setzen würden - woraufhin er als Strafe auf die Bank gesetzt wurde.

Ein Jahr später, Icardi war mittlerweile reife 23 Jahre alt, sah er den richtigen Moment für eine Autobiografie gekommen. In "Sempre Avanti" erzählte er von Auseinandersetzungen mit Teilen der Inter-Fanszene und drohte: "Vielleicht wissen sie nicht, dass ich in dem Viertel mit Südamerikas höchster Kriminalitätsrate aufgewachsen bin." Die angesprochenen Fans rollten daraufhin beleidigende Banner vor seinem Haus aus und begrüßten ihn beim nächsten Heimspiel mit den Worten "Clown" und "Feigling" auf Spruchbändern. Dazu pfiffen sie ihn aus.

Inter stellte sich auf die Seite der Fans, belegte Icardi mit einer Geldstrafe und zwang ihn dazu, die entsprechenden Aussagen aus neuen Buchauflagen zu entfernen. Das Kapitänsamt durfte er damals behalten, los wurde er es erst in diesem Februar.

Inter sanktioniert Icardi, Icardi verklagt Inter

Im italienischen TV erzählte Nara damals munter Mannschaftsinterna und kritisierte auch mal Inters Management. Gleichzeitig versuchte sie eine Erhöhung des lediglich 4,5 Millionen Euro hohen Nettogehalt ihres Mannes und Klienten zu erwirken. Es müssen schließlich auch fünf Kinder ernährt werden (von denen drei Maxi Lopez als Vater haben). Die Gehaltserhöhung jedenfalls klappte nicht und die Kapitänsbinde nahm man ihm weg, woraufhin Icardi eine Reise zum Europa-League-Spiel bei Rapid Wien verweigerte.

Im Sommer kam mit Antonio Conte ein neuer Trainer, der kein Interesse an einer Zusammenarbeit mit Icardi (und Nara) hatte. Er schloss den Stürmer vom Mannschaftstraining aus, verweigerte ihm die Teilnahme an Taktikbesprechungen und nahm ihm auch noch dessen Rückennummer 9 weg, die stattdessen Neuzugang und Icardis designierter Nachfolger Romelu Lukaku bekam. In einer 50-seitigen Klageschrift forderte Icardi daraufhin die Wiederaufnahme ins Mannschaftstraining und einen Schadensersatz in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

Inter suchte unterdessen mit Hochdruck nach einem Abnehmer für den noch bis 2021 gebundenen Icardi. Juventus? Napoli? Monaco? Nein! Nein! Nein! "Aus meiner Sicht wird Mauro bei Inter bleiben", sagte Nara am Sonntagabend im italienischen TV. "Er war immer konsequent und hat viele Angebote von großen Teams abgelehnt."

Tuchels Suche nach einer funktionierenden Sturmreihe

Am Montagabend kurz vor Mitternacht endete diese Konsequenz aber, Icardi unterschrieb bei PSG. Gleich danach postete der Verein auf seinen sozialen Kanälen eine lustige Spielerei für seine Fans, die man sonst nur von Spielautomaten aus Bars kennt. Zerschnittene Gesichter der PSG-Stars rotieren wild im Kreis, als User soll man ein fertiges Gesicht stoppen - oder vielleicht auch zusammenpassende Gesichtsteile verschiedener Stürmer, die künftig gemeinsam spielen sollen?

Eine funktionierende Sturmreihe zu finden, wird in den kommenden Wochen die Aufgabe von Trainer Thomas Tuchel sein. Edinson Cavani, Kylian Mbappe, Angel Di Maria, Neymar, Julian Draxler, Neuzugang Pablo Sarabia vom FC Sevilla, der ehemalige HSV-Spieler Eric Maxim Choupo-Moting und nun auch noch Icardi? Wer? Mit wem? Und vor allem: Wer nicht?

Während die Besetzung in der Defensive weiterhin eher dünn ist, ist sie in der Offensive nochmal breiter geworden. Statt mit Neymar einen als schwierig geltenden Offensivspieler loszuwerden, hat PSG ohne wirklichen Bedarf mit Icardi einen weiteren dazugeholt.

Aktuell fehlen zwar einige Offensivspieler angeschlagen, wichtig wird es bei PSG aber ohenhin erst im Frühjahr. Womöglich ist der Icardi-Transfer einfach nur ein Vorgriff auf Neymars wohl unausweichlichen Abgang in näherer Zukunft - ein Vorgriff aber mit Konfliktpotenzial.

Icardi: "Ich danke PSG für das Vertrauen"

Bis dahin muss Tuchel in seiner Startelf nämlich entweder auf Defensivspieler verzichten, oder es wird vorprogrammierte Probleme mit unzufriedenen Banksitzern geben. Geäußert hat sich Tuchel dazu noch nicht, in der Verkündungs-Pressemitteilung kam er nicht zu Wort - wohl aber Icardi selbst. "Ich danke Paris Saint-Germain für das mir entgegengebrachte Vertrauen", wird er zitiert.

Sollte Icardi das Vertrauen nicht rechtfertigen und PSG die Kaufoption nicht ziehen, ist er nächsten Sommer zurück in Mailand - wo er seinen Vertrag im Zuge des Leihgeschäfts vorzeitig bis 2022 verlängern musste.

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