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Die Geschichte hinter dem Sensationstitel 1995: Als die Blackburn Rovers die Premier League schockten

Alan Shearer (l.) und Chris Sutton bejubeln den Gewinn der Premier League im Mai 1995.
© getty

In der Saison 1994/95 holten sich die Blackburn Rovers sensationell den Premier-League-Titel. Es war der Höhepunkt eines rasanten Aufstiegs - ermöglicht durch das Geld von Besitzer Jack Walker, das Transfer-, Taktik- und Mannschaftsgespür von Trainer Kenny Dalglish und die Tore von Stürmer Alan Shearer.

Henning Berg war 23 Jahre alt, als er im Januar 1993 vom norwegischen Verein Lilleström SK zum Premier-League-Klub Blackburn Rovers wechselte. Für ihn war der Transfer ein Kulturschock. Aber nicht der, den er erwartet hatte.

"Ich war aus Norwegen nicht die besten Trainingsbedingungen gewöhnt, aber was ich in Blackburn vorfand, hat mich dann doch überrascht", erzählt er gegenüber SPOX und Goal. "Der Klub hatte keine eigenen Trainingsplätze, stattdessen haben wir in einem städtischen Park trainiert. Wir mussten uns im Stadion umziehen und dann mit unseren eigenen Autos in Trainingsklamotten zu diesem Park fahren. Mal haben wir auf dem einen Platz gespielt, mal auf dem anderen. Aber sie waren alle nicht die besten - und ich glaube, abends haben auch noch irgendwelche anderen Mannschaften darauf gespielt."

Blackburn Rovers' rasanter Aufstieg zum PL-Klub

Berg kam in einen Klub, der schneller wuchs als seine Infrastruktur und das lag an Jack Walker. Geboren in Blackburn machte er aus dem Familienbetrieb Walkersteel einst den größten Stahlhersteller Englands. Als er ein Vermögen von umgerechnet rund 900 Millionen Euro angehäuft hatte, beschloss er, sich seiner Leidenschaft zu widmen: den Blackburn Rovers. Er werde Manchester United "billig aussehen lassen", tönte Walker, der den Weltklub aus dem rund eine Stunde südlich gelegenen Manchester hasste.

Im Januar 1991 übernahm er schließlich die Rovers, die damals in der zweiten Liga gegen den Abstieg kämpften. Der Klassenerhalt gelang, und daraufhin verpflichtete Walker den langjährigen Liverpool-Spieler und -Trainer Kenny Dalglish als neuen Trainer. Er führte die Rovers in seiner ersten Saison zum Aufstieg und somit direkt in die neugeschaffene Premier League. Erstmals seit 26 Jahren waren sie wieder erstklassig - und Walker begann zu investieren.

Shearers Transfer lohnte sich in zweierlei Hinsicht

Mit dem künftigen Kapitän Tim Sherwood (23) und Stuart Ripley (24) kamen zwei aufstrebende Mittelfeldspieler und außerdem der wohl begehrteste Stürmer Englands: der 21-jährige Alan Shearer. 4,5 Millionen Euro zahlten die Rovers für ihn an den FC Southampton und brachen damit den englischen Ablöserekord.

Es war ein Transfer, der sich in zweierlei Hinsicht lohnen sollte: Nicht nur wegen Shearers 114 Treffern in vier Spielzeiten, sondern auch wegen seiner Einstellung. "Seine Schussgenauigkeit, sein Kopfballspiel und seine Laufwege waren genial. Aber das wäre alles nicht zum Vorschein gekommen, wenn er nicht so klar im Kopf gewesen wäre", sagt Berg. "Er hat niemals an sich gezweifelt und war sich vor jedem Spiel sicher, dass er treffen wird. Mit diesem Vertrauen in seine eigene Stärke war er ein super Vorbild für alle anderen."

Gute Stimmung und direktes Spiel

Rechtsverteidiger Berg selbst kam im darauffolgenden Winter und so schlecht die Trainingsbedingungen bei seiner Ankunft waren, so gut war die Atmosphäre in der Mannschaft. "Es herrschte von Anfang an eine perfekte Mischung aus Siegermentalität und Spaß", erinnert sich Berg. "Auch außerhalb des Platzes haben wir uns alle gut verstanden. Es gab keine Grüppchenbildungen, sondern ein großes Gemeinschaftsgefühl und dafür war der Trainer verantwortlich." Genau wie für die Zusammenstellung der Mannschaft.

"Walker hat das Geld für Transfers zur Verfügung gestellt, Dalglish bei der Spielerauswahl aber allen Entscheidungsfreiraum gelassen", erzählt Berg. Und das sollte sich lohnen. "Er hat auf dem Transfermarkt sehr schlau agiert und nur Spieler geholt, die sich gegenseitig besser machten und perfekt zur Philosophie passten." Und die Philosophie lautete: Aus einer organisierten Defensive heraus schnell und direkt nach vorne spielen. "Direkt sogar für damalige englische Verhältnisse", sagt Berg und lacht.

Große Investitionen in kluge Transfers

Gleich in der ersten Premier-League-Saison 1992/93 landeten die Rovers auf Platz vier, in der darauffolgenden folgte ein lange offener aber letztlich verlorener Titelkampf mit Manchester United und Platz zwei. Im Laufe dieser Saison kam mit Tim Flowers ein neuer Stammkeeper und danach der 21-jährige Stürmer Chris Sutton für 7,5 Millionen Euro. Der nächste englische Ablöserekord. Die Rovers investierten viel Geld, aber sie investierten es klug.

Das Zusammenspiel zwischen Sutton und Shearer etwa funktionierte sofort perfekt. Sutton and Shearer, SAS war geboren! Kamen die Angriffe über die linke Seite, kombinierten sich der oft hinterlaufenden Außenverteidiger Graeme Le Saux und Eigengewächs Jason Wilcox in den Strafraum und setzten das Sturmduo dort in Szene. Kamen die Angriffe über rechts, wurden Sutton und Shearer mit maßgenauen Flanken von Ripley bedient.

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