Fussball

Manchester City: Warum Pep Guardiola trotz Sperre weiter für die Champions League plant

Pep Guardiola ist seit 2016 Trainer von Manchester City.

Trotz des Ausschlusses aus der Champions League ist Manchester City sicher, dass das Team auch nächstes Jahr in der Königsklasse starten wird. Die Gründe für den Optimismus und das Treuebekenntnis von Pep Guardiola erklärt die Fußball-Kolumne.

Anfang der Woche, bei den Laureus World Sports Awards, war die Zwei-Jahres-Sperre von Manchester City aus dem Europacup und die Folgen eines der dominierenden Themen. Mehrere englische Medien hatten ihre Reporter nach Berlin geschickt, um wirklich jeden der zahlreichen ehemaligen Fußball-Stars wie Arsene Wenger, Jens Lehmann, Cafu oder Luis Figo nach ihrer Meinung zu fragen.

Die Antworten blieben erwartbar im Konjunktiv, doch Ruud Gullit sprach für viele Experten: "Ich kenne Pep und weiß, dass er unbedingt die Champions League gewinnen möchte. Denn das ist sein heiliger Gral. Deshalb wird er sich nach einem neuen Job umschauen, wenn der Bann aufrecht erhalten bleibt."

Seit dem rauschenden Tiki-Taka mit Barcas Dream Team um Lionel Messi, Andres Iniesta und Xavi, der mit zwei Triumphen im früheren Europacup der Landesmeister 2009 und 2011 belohnt wurde, läuft Guardiola tatsächlich vergeblich dem Henkelpott hinterher. Sowohl in seinen drei Jahren beim FC Bayern als auch seit 2016 bei ManCity scheiterte er als Mitfavorit immer spätestens im Halbfinale.

Mittlerweile ist er im vierten Jahr in der Premier League, nachdem er früher einmal drei Spielzeiten bei ein und demselben Verein als Maximum bezeichnet hatte. Wie zum Beweis sind die Citizens in der Liga bei 22 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Liverpool so schlecht wie noch keine Mannschaft unter Guardiola.

Die Saison kann eigentlich nur noch durch den "heiligen Gral", den Gewinn der Königsklasse, gerettet werden. Gelingt das, hätte Guardiola trotz Vertrags bis 2021 allen Grund für einen Tapetenwechsel. Gelingt es aber nicht und City muss tatsächlich wegen der Verstöße gegen das Financial Fairplay zwei Jahre international zuschauen, gäbe es noch mehr Gründe, den Klub zu verlassen.

Juventus Turin träumt von Pep Guardiola

Eine Rückkehr zum FC Bayern ist nach Angaben von allen Insidern, mit denen man spricht, kein Thema. Aber der Schritt zu Juventus Turin würde von den Ambitionen her passen, zumal Guardiola zwar in der Serie A gespielt hat, aber dort noch nicht als Trainer tätig war.

"Im letzten Sommer wurde viel darüber gesprochen, dass er zu Juventus kommen würde, und das ist immer noch ein Thema", sagte Juve-Legende Alessandro del Piero am Rande der Laureus Awards: "Er hat in Spanien, Deutschland und England gewonnen. Wenn wir diesem Weg folgen, ist es vielleicht sein Schicksal, zu Juventus zu gehen."

Doch glaubt man Guardiola, wird es diesen logisch klingenden Schritt nicht geben. "Wenn sie mich nicht entlassen, werde ich zu 100 Prozent bei City bleiben. Jetzt mehr als je zuvor", erklärte der 49-Jährige vor wenigen Tagen als Reaktion auf den Bann durch die UEFA. "Ich liebe diesen Klub. Das ist mein Verein und ich werde hier sein."

Warum aber lehnt sich der Katalane dermaßen weit aus dem Fenster, so dass ein Gesichts wahrender Abschied im Sommer gar nicht mehr möglich ist? Vermutlich, weil er weiß, dass er mit Manchester City zumindest in der nächsten Saison fast sicher wieder in der Champions League antreten kann.

ManCity-Bosse: "Vorwürfe einfach unwahr"

Das liegt auch, aber nicht nur an der Zuversicht seiner beiden alten Kumpel aus Barca-Zeiten, Ferran Sorriano und Txiki Begiristain, Vorstandsboss und Sportdirektor bei City. Demnach ist man im Klub überzeugt, dass die drastische Strafe des unabhängigen Finanzkontrollgremiums CFCB der UEFA vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS keinen Bestand hat - "weil die Vorwürfe einfach unwahr sind" (Sorriano).

Es ist jedenfalls alles andere als unwahrscheinlich, dass der CAS das Urteil zumindest abschwächen wird, denn das ist in der jüngeren Vergangenheit häufiger geschehen. Ende Dezember wurde die Transfersperre der FIFA gegen den FC Chelsea deutlich reduziert, im vergangenen März musste die UEFA nach einer Klage beim CAS die Ermittlungen gegen Paris St. Germain wegen Formfehlern einstellen. Der damalige Vorwurf einer unfairen Finanzierung durch die PSG-Geldgeber in Katar war ähnlich wie der jetzige gegen die ManCity-Besitzer aus Abu Dhabi.

Und selbst bei einer Bestätigung der Sperre durch den in Lausanne ansässigen CAS würden die Skyblues dann sicher vor Schweizer Gerichten und falls nötig bis hin zum Europäischen Gerichtshof überprüfen lassen, ob eine Bestrafung rechtmäßig ist. Experten wie der Düsseldorfer Sportrechtler Paul Lambertz bezweifeln das, denn für sie ist das Financial Fairplay kartellrechtswidrig. Man könne den Vereinen in einer freien Marktwirtschaft nicht vorschreiben, mit welchen Ein- und Ausgaben sie sich zu finanzieren hätten, sagte er dem kicker. So sehen es natürlich auch die hoch dotierten und herausragend qualifizierten Anwälte der Citizens.

Sperre mindestens bis zum CAS-Urteil aufgehoben

Entscheidend für den Optimismus bei Guardiola und Co. ist daher vor allem die Tatsache, dass die Sperre gegen City so lange aufgehoben ist, bis ein Urteil rechtskräftig ist. Selbst wenn die UEFA trotzdem nur das Urteil des internationalen Sportgerichtshofs abwarten würde, rechnen auch hier die wenigsten mit einer schnellen Entscheidung. Auf Basis der üblichen Verfahrensdauer ist nicht damit zu rechnen, dass ein Ausschluss von Manchester City bis zum Sommer rechtlich wasserdicht ist.

Aber spätestens bis zum 23. Juli müsste Klarheit herrschen, weil dann die zweite Qualifikationsrunde zur Europa League startet und die Teilnehmer aus der Premier League feststehen müssen. Realistischer ist, dass Pep Guardiola sein Team zu dieser Zeit auf den Start der nächsten Champions-League-Saison vorbereitet.

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