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Fussball

WM 2002 - Südkorea vs. Italien: Skandal nach WM-Tor! Serie-A-Klub wirft eigenen Spieler raus

SID
Jung-Hwan Ahn köpfte Italien aus der WM 2002. Damit war sein Aus bei seinem italienischen Arbeitgeber besiegelt.

Jung-Hwan Ahn köpfte Italien aus der WM 2002. Damit war sein Aus bei seinem italienischen Arbeitgeber besiegelt.
 

Der Grat zwischen einem Volkshelden und einem Staatsfeind Nummer eins ist ein schmaler. Kaum jemand weiß das in der Welt des Fußballs so gut wie Jung-Hwan Ahn. Sein legendärer Treffer gegen Italien im Achtelfinale der WM 2002 brachte ihm in seiner Heimat einen Eintrag in die Geschichtsbücher - und in seiner Wahlheimat den Rauswurf. Ein Akt, der die Ausmaße eine handfesten Skandals annahm.

Seinen Ursprung hat die unglaubliche Ahn-Geschichte am 18. Juni 2002. Im Daejeon World Cup Stadium trafen im Achtelfinale WM-Gastgeber Südkorea und Titelfavorit Italien aufeinander. In einer Partie, die wegen einer unglaublichen Schiedsrichterleistung nochmal gesondert in die Geschichte eingehen sollte, rang der krasse Außenseiter die Azzurri um die Superstars Francesco Totti und Alessandro del Piero ganz spät nieder. Ahn, ein damals 25 Jahre alter Stürmer, war in der 117. Minute der Matchwinner, als er einen Ball kurz vor dem möglichen Elfmeterschießen an Gianluigi Buffon vorbei über die Linie drückte. Damals gab es noch das Golden Goal, Südkorea stand im Viertelfinale, Italien schäumte vor Wut.

WM 2002: Perugia kündigte Entlassung von Jung-Hwan Ahn an

Ganz besonders schäumte damals ein gewisser Luciano Gaucci. Er war der Präsident der AC Perugia und damit Ahns Boss. Der Südkoreaner war 2000 zum Serie-A-Klub gewechselt, der dank des früheren Engagements von Hidetoshi Nakata an selber Stelle in Asien seinerzeit große Popularität genoss.

Nun, mit dieser Popularität war es am 19. Juni 2002 dann auch vorbei. Gaucci verkündete kurzerhand, Ahn werde wegen seines Treffers gegen die Azzurri entlassen. Er führte "patriotische Gründe" für diese Kurzschlussreaktion an und erklärte, sein Stürmer habe "nur wie ein Phänomen gespielt, als es gegen Italien ging". In einem beispiellosen Rant in der Gazzetta dello Sport ätzte Gaucci weiter: "Dieser Mann wird nie wieder einen Fuß in die Stadt Perugia setzen. Ich habe keine Lust, jemandem Gehalt zu zahlen, der den italienischen Fußball ruiniert hat."

Vermutlich spielte bei Gauccis Populismus auch eine Rolle, dass Ahn in den zwei Jahren zuvor nicht wirklich Bäume ausgerissen hatte und angeblich ohnehin zum Verkauf stand.

Während Ahn selbst auf Gauccis Entscheidung zunächst nicht groß reagierte und zum Beispiel auch im siegreichen WM-Viertelfinale gegen Spanien wenige Tage später beim Elfmeterschießen traf, schlug seine Entlassung auf anderen Ebenen hohe Wellen.

Ahn: Hiddink wegen Perugia stinksauer

Asiens Kontinentalverband AFC rief gar zum Boykott Perugias auf. Generalsekretär Peter Velappan erklärte: "Ich habe allen betroffenen Seiten, vor allem China, Südkorea und Japan, geraten, keine Geschäfte mit Perugia zu machen. Alles, wofür dieser Verein sich interessiert, ist der Profit durch die Vermarktung unserer Spieler. Ihre Entwicklung interessiert sie nicht."

Ziemlich verärgert reagierte auch Südkoreas damaliger Nationaltrainer Guus Hiddink. "Soll ich ihm sagen: 'Ahn, du spielst zwar jetzt, aber du darfst kein Tor schießen?' Perugias Entscheidung ist kindisch und beinahe schon zu lächerlich, um überhaupt darüber zu sprechen", so der Niederländer. "Wenn Druck auf Nationalspieler in Spielen gegen ihre Gastländer ausgeübt wird, ist das der Anfang vom Ende des Sports."

Ahn selbst sagte später, Gauccis Entscheidung und Äußerungen hätten in Italien ein Klima des Hasses gegen ihn geschürt. Sein Auto sei das Opfer von Vandalismus geworden und in lokalen Medien hieß es gar, der Angreifer habe Todesdrohungen von der Mafia erhalten. "Es fühlte sich beinahe an, als hätte ein Tor meine ganze Karriere beendet", sagte Ahn im Gespräch mit JoongAng.

Ahn wechselte von Perugia nach Japan

Perugia knickte schließlich nach einigen Wochen ein und wollte von einer Entlassung Ahns nichts mehr wissen. Dieser allerdings drehte den Spieß um und verkündete, nicht mehr für die Grifoni auflaufen zu wollen.

Es folgte ein Rechtsstreit, der Ahn seinen Wunschtransfer zu den Blackburn Rovers in die Premier League kostete. Stattdessen wechselte er nach Japan zu Shimizu S-Pulse, ein Sponsor finanzierte den Deal und überwies die von Perugia geforderte Entschädigung in Höhe von 3,8 Millionen Dollar. "Ich glaube, die 3,8 Millionen sind der Preis für Respekt und Liebe, die ich bekommen habe", sagte Ahn.

Gleichwohl konstatierte er bei FIFA+: "Wenn ich zurückschaue, würde ich meine ganze Karriere gegen dieses Tor eintauschen."

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