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Fussball

FC Schalke 04 - FC Bayern München kommt ohne Unterbrechungen aus: Zweierlei Maß mit dem H-Wort

Die Schalke-Fans haben gegen den DFB protestiert.

Vor dem DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen dem FC Schalke 04 und dem FC Bayern München (0:1) war das Schreckensszenario Spielabbruch omnipräsent. Obwohl das H-Wort erneut fiel, passierte aus Sicht aller Beteiligten nichts, was diese Maßnahme gerechtfertigt hätte.

Spiele des DFB-Pokals haben seit jeher die Besonderheit, dass sie anders als gewöhnliche Bundesligaspiele nicht immer 90 Minuten dauern. Es kann bekanntermaßen auch mal 120 Minuten lang gehen oder sogar noch länger, und zwar dann, wenn ein Elfmeterschießen ansteht. Neu war vor dem Viertelfinalduell zwischen dem FC Schalke 04 und dem FC Bayern München aber die Option, dass die Spielzeit unter Umständen auch weniger als 90 Minuten betragen könnte.

Es war das Schreckensszenario aller Beteiligten und gleichzeitig das alles beherrschende Thema: Was passiert, wenn eines der beiden oder beide Fanlager wie am vergangenen Wochenende in etlichen Stadien geschehen erneut beleidigende Spruchbänder in Richtung des Hoffenheimer Mäzens Dietmar Hopp zeigen würde? Kommt es zu einem Spielabbruch und damit zum kürzesten DFB-Pokalspiel der Geschichte? Alle Sorge war umsonst, denn: nichts passierte.

Als Bayerns Leon Goretzka nach dem Spiel gefragt wurde, ob er denn froh sei, dass das Spiel 90 Minuten gedauert habe, warf er zunächst die Stirn in Falten, überlegte kurz und lachte dann. Jetzt hatte er begriffen, dass es nicht um eine mögliche Verlängerung geht, sondern um einen möglichen Abbruch. "Achso, ja gut", sagte Goretzka also: "Klar!"

H wie Hurensohn statt H wie Hopp

Am nächsten waren die beide Optionen Verkürzung und Verlängerung ganz früh im Spiel, es stand noch 0:0, als Schalker Fans per Spruchband fragten: "Wenn wir jetzt ein Hurensohn-Plakat zeigen / hört ihr dann auch auf zu spielen / und wir schaffen es ins Elfmeterschießen?" Sie beließen es bei der Frage und damit waren beide Optionen auch wieder weit weg. Trotz des knappen Ergebnisses von 1:0 dominierte der FC Bayern das Spiel von Anfang bis Ende so klar, dass eine Verlängerung der Spielzeit nicht wirklich drohte. Und Gefahr auf Verkürzung bestand auch nicht, weil das H-Wort im Stadion fortan weder in Schrift noch in Ton zu vernehmen war.

H wie Hopp, der Vollständigkeit halber. H wie Hurensohn war dagegen sehr wohl zu vernehmen, aber eben nicht in Kombination mit H wie Hopp, sondern in Kombination mit Manuel Neuer. Direkt nach der Pause und dann noch einmal im Verlauf der zweiten Halbzeit widmeten sich Sprechchöre aus der Schalker Nordkurve lautstark der angeblichen Profession von Neuers Mutter. Daran schien sich keiner zu stören.

Schalkes Trainer David Wagner beteuerte, die entsprechenden Sprechchöre "überhaupt gar nicht" mitbekommen zu haben, was ob deren Lautstärke dann doch durchaus überraschte. Goretzka, wie Neuer ein Ex-Schalker, aber einer, dessen Umzug von Gelsenkirchen nach München ein geringeres Echo schlägt, hatte sie dagegen gehört und erklärte: "Die Schmähungen gegen Manuel gehören ja irgendwie dazu."

Vor dem Anpfiff bezogen alle Parteien Stellung

Genau darum war es seit dem Eklat beim Auswärtsspiel des FC Bayern bei der TSG Hoffenheim in allen öffentlichen und internen Diskussionen gegangen. Was gehört zum Fußball dazu? Was nicht? Und wie geht man damit um?

Am Montagabend war es zu einem Treffen zwischen Vertretern beider Vereine, des DFB, der Polizei sowie des Schiedsrichters Tobias Stieler gekommen, bei dem all diese Fragen besprochen wurden. Von Schalker Seite hieß es in einem Statement, dass die Mannschaft bei erneuten Anfeindungen "ungeachtet der Spieldauer, des Resultats oder etwaiger Konsequenzen" den Platz verlassen werde. Dies wäre ein Verstoß gegen den Drei-Stufen-Plan des DFB gewesen und hätte somit zu einem Spielabbruch geführt.

Rund zwei Stunden vor Anpfiff veröffentlichte der FC Bayern ein Statement, in dem es hieß, dass in Sachen Platzverlassen anders als kolportiert "keinerlei Vereinbarung" zwischen den beiden Klubs bestünde. Dazwischen veröffentlichte die größte Ultra-Gruppierung des FC Bayern Schickeria ein Statement, in dem sie ihre Beweggründe für die Spruchbänder beim Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim erklärte. Und auch der DFB meldete sich zu Wort und signalisierte darin Gesprächsbereitschaft mit den Fans.

Schalker-Fans attackieren den DFB statt Hopp

Unabhängig davon arbeiteten sich die Schalker Fans direkt nach Anpfiff des Spiels an diesem DFB ab, der trotz anderslautender Versprechungen im Falle von Borussia Dortmund wieder auf Kollektivstrafen gegen Fans zurückgegriffen hat. "Dementer Fußball-Bund / eure Zusage gegen Kollektivstrafen vergessen / versucht ihr nun, uns Fans mit Spielabbrüchen zu erpressen", hieß es auf einem Spruchband. Dazu ertönte lautstark: "Scheiß DFB!"

Kurz darauf skandierten die Schalker Fans in der Nordkurve: "Südkurve! Südkurve! Südkurve!" Dies war aber keine Aufforderung an die Fans des FC Bayern, die sowohl in der heimischen Allianz Arena als auch als Gäste in der Veltins Arena im Süden zuhause sind, in die Proteste miteinzusteigen. Sondern an die Schalker Fans daneben, ein langgezogenes "Schaaalkeee" mit "Nuuull Viiier" zu beantworten, was auch tadellos klappte. Aus dem Block des FC Bayern gab es dagegen weder Spruchbänder noch Sprechchöre zu der heiklen Thematik.

Salihamidzc lobt: "Bis zum Ende durchgespielt"

Erleichtert darüber wirkten nach Abpfiff alle Beteiligten. "Klar hat man das Thema im Hinterkopf gehabt", sagte etwa Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic. "Heute haben wir Fußball gesehen und so wollen wir das auch weiterhin haben." Gefallen hat ihm wohl vor allem der Fußball seiner Mannschaft. Nach den zurückliegenden Schützenfesten traf sie trotz drückender Dominanz gegen extrem defensiv eingestellte Schalker jedoch nur einmal ins Tor (Joshua Kimmich, 40. Minute).

"Es war im Großen und Ganzen wirklich sehr souverän. Wir haben die Konzentration hochgehalten und bis zum Ende durchgespielt", sagte Salihamidzic und fügte an: "Das haben wir in den Spielen davor nicht so gemacht." Seinem Gesichtsausdruck war dabei nicht zu entnehmen, ob er das als Scherz ob des Nichtangriffspakts in Hoffenheim oder tatsächlich ernst meinte.

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