Fussball

Alphonso Davies beim FC Bayern München: Dem Hürdenläufer drohen keine Bisse

Alphonso Davies kam in der laufenden Saison 29 Mal zum Einsatz, dreimal sogar noch für die 2. Mannschaft in der 3. Liga.

Beim 3:0-Sieg im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Chelsea war Alphonso Davies einmal mehr einer der Besten beim FC Bayern München. Der 19-jährige Linksverteidiger überzeugt offensiv wie defensiv gleichermaßen und mausert sich immer mehr zum Publikumsliebling. Nun winkt ihm offenbar ein neuer Vertrag.

Schon während Thomas Müller seine Drohung aussprach, merkte er, dass es eine leere Drohung ist. "Er weiß Bescheid", sagte Müller also. "Wenn er einen Millimeter nachlässt, dann bin ich hinter ihm her und beiße ihm in die Wadeln - sofern ich ihn erwische." Natürlich wird er ihn niemals erwischen! Ein Thomas Müller erwischt doch keinen Alphonso Davies! Aber das darf man Müller auch gar nicht übelnehmen, denn bekanntlich erwischt keiner beim FC Bayern einen Alphonso Davies.

"Selbst im Vergleich zu unserer Highspeed-Fraktion, die wir auch schon vorher hatten, ist sein Speed noch eine Stufe mehr", erklärte Müller. Davies war im Januar 2019 für zehn Millionen Euro von den Vancouver Whitecaps zum FC Bayern gewechselt und läuft nach einem halben Jahr Anlaufzeit allen davon. Beim 3:0-Sieg beim FC Chelsea einmal mehr und das bedeutete, dass danach reichlich über ihn gesprochen wurde.

Flick über Davies: "Seine Entwicklung ist phänomenal"

Zum Beispiel von Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der an Davies einstiger Verpflichtung entscheidend beteiligt gewesen war und sich nun an der Stamford Bridge an dessen Entdeckung erinnerte. Gemeinsam mit dem Leiter der Scouting-Abteilung Marco Neppe habe er sich "mehrere Spiele und viele Videos" von Davies angeschaut: "Wir waren sofort überzeugt und haben uns auf ihn gestürzt."

Nach der Verpflichtung war jedoch zunächst Geduld angesagt. In seinem ersten Halbjahr beim FC Bayern kam Davies lediglich zu sechs Kurzeinsätzen für die Profimannschaft, seit Ende Oktober aber hat er seinen Stammplatz als Linksverteidiger sicher und verpasste lediglich zehn Pflichtspielminuten.

"Seine Entwicklung ist phänomenal und schön anzuschauen", sagte Trainer Hansi Flick und Salihamidzic ergänzte etwas überschwänglich und fast schon ungläubig: "Jetzt hat er 23 oder 24 Spiele hintereinander gespielt." 21 waren es tatsächlich, aber wer will Salihamidzic diesen Rechenfehler verdenken? Mit Davies' guten Aktionen in diesen 21 könnte man auch locker 23 oder 24 Spiele füllen.

Alphonso Davies: Überragende Aktionen vorne und hinten

Davies' Auftritt bei Chelsea etwa hatte alles, was ihn auszeichnet - und das Beachtliche daran ist, dass sich seine herausragenden Aktionen gleichermaßen auf das Offensiv- wie das Defensivspiel verteilen. Als Beweis dienen seine Verfolgung des entwischten Mason Mount samt Ballgewinn, was eine mögliche Chelsea-Chance verhinderte (18.), und sein Solo in Hürdenläufer-Manier samt perfekter Hereingabe auf Robert Lewandowski, das im Treffer zum 3:0 resultierte (76.). Davies gewann darüber hinaus knapp 80 Prozent seiner Zweikämpfe und brachte knapp 91 Prozent seiner Pässe an den Mann.

"Schnell sind viele Spieler", sagte Müller. "Aber man muss dann auch eine gewisse Effizienz an den Tag legen. Das Überragende an Phonzie ist, dass er dann auch noch die Flanke maßgenau bringt." Insgesamt sieben Assists (und ein Tor) gelangen Davies in dieser Saison bereits.

Eklatante Fortschritte sind aber nicht nur bei seiner Flankenqualität sichtbar, sondern auch bei seinem defensiven Stellungsspiel. Aus einem gelernten Linksaußen wurde innerhalb kürzester Zeit ein Linksverteidiger, der so spielt, als hätte er niemals etwas anderes gemacht. "Es ist beeindruckend, was er im letzten Jahr taktisch dazu gelernt hat", lobte Müller.

Nach Abpfiff wurde Davies von den Fans des FC Bayern gefeiert

Wenn seine Kollegen über Davies sprechen, merkt man förmlich, wie sehr sie ihn schätzen. Nicht nur als Spieler, sondern auch als Typen. Und sein Trainer Flick lobte: "Er ist gut integriert und bringt Spaß in die Mannschaft." So viel Spaß wie bei diesem Spiel an der Stamford Bridge hatte Davies aber wohl erst selten und das liegt auch an seiner Kindheit. Davies' Vater war Chelsea-Fan, sein persönlicher Lieblingsspieler Didier Drogba. "Ein Traum wurde wahr, hier in diesem Stadion zu spielen", sagte Davies.

Und der Traum endete nicht mit dem Abpfiff. Als die Mannschaft nach dem Schlusspfiff vor der Kurve fertiggefeiert hatte und sich gemächlich Richtung Kabine aufmachte, skandierten die Fans: "Phonzie! Phonzie!" Davies drehte sich um, lächelte und klatschte Richtung Fans. Ihm winkt der Status des Publikumslieblings - und übereinstimmenden Berichten zufolge außerdem eine vorzeitige Vertragsverlängerung über zwei Jahre bei erhöhten Bezügen.

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