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Fussball

Berkay Özcan trumpft bei Basaksehir gegen Manchester United groß auf: "Darauf habe ich Bock!"

Abgehängt: Berkay Özcan gewann mit Basaksehir gegen Bruno Fernandes und Manchester United in der Champions League.

Vor etwas mehr als einem Jahr spielte Berkay Özcan noch in der 2. Liga beim HSV, mittlerweile ist er bei Basaksehir Stammspieler in der Champions League und schaffte mit dem türkischen Meister gegen Manchester United am Mittwoch Historisches. Begonnen hatte alles mit einem Tor, dass erstaunte, erfreute und zugleich erzürnte.

Paul Scholes, Rio Ferdinand und Robin van Persie kommen gemeinsam auf 1269 Pflichtspiele für Manchester United, aber so etwas wie am Mittwochabend hatten sie von ihren Red Devils noch nicht gesehen. "Wie U10-Fußball. Peinlich!", schimpfte beispielsweise Scholes, während Ferdinand "völlig entgeistert" gewesen sei, bei dem, was sich da in der 12. Spielminute im Başakşehir Fatih Terim Stadı ereignet hatte.

Ein einziger langer Ball von Edin Visca aus dem eigenen Sechzehner (!) hebelte die komplette United-Abwehr aus, der Ex-Hoffenheimer Demba Ba durfte aus der eigenen Hälfte allein auf das Tor der Gäste zulaufen und vollstreckte eiskalt.

"Unverzeihlich", nannte Trainer Ole Gunnar Solskjaer das katastrophale Defensivverhalten seiner Mannschaft. Für van Persie war es einfach nur "richtig schlecht". Er könne sich nicht daran erinnern, jemals "ein solches Gegentor gesehen zu haben".

Einen, den das 1:0 des amtierenden türkischen Meisters wesentlich mehr freute, ist Berkay Özcan. Seit dem vergangenen Sommer spielt der gebürtige Karlsruher für die Türken und nach einer nicht ganz unkomplizierten ersten Saison mit wenig Spielzeit ist er zumindest in der Champions League unter Trainer Okan Buruk gesetzt.

Basaksehirs Özcan von Uniteds Abwehrdesaster "kurz perplex"

"In der Situation", erzählt er nach dem Spiel bei SPOX und Goal, "war ich schon kurz perplex, aber dann war es mir eigentlich egal und ich habe nur gehofft, dass Demba den Ball reinmacht". Das tat der 34 Jahre alte Routinier und leitete damit Basaksehirs ersten Champions-League-Sieg in der Vereinsgeschichte ein.

Ein Sieg, der für den in Karlsruhe geborenen und beim VfB Stuttgart zum Bundesligaprofi gereiften Özcan nicht gänzlich überraschend kam, schließlich sei man zuletzt nach einem Fehlstart auch in der Süper Lig mit drei Siegen in Folge "wieder auf Spur". Außerdem habe Basaksehir "auch schon gegen Leipzig und Paris gezeigt, dass wir mithalten können".

Während gegen RB (0:2) und PSG (0:2) jedoch trotz vieler Chancen und guten Phasen nichts zu holen war, stürzten Ba, Özcan und Co. nun ausgerechnet den bisherigen Spitzenreiter der Gruppe H. Als "redlich verdient", stufte der 22-Jährige den Dreier ein und mutmaßt, dass es nicht die letzten Punkte in der Gruppenphase gewesen seien.

Ein Sonderlob holte sich Özcan nach dem Spiel von Trainer Buruk ab, bei dem er mit seiner "Dynamik" gegen die Red Devils gepunktet habe. Nicht zu unrecht hob er den zentralen Mittelfeldspieler nach dem 2:1-Sieg am Mittwoch hervor.

Özcan war mit großem Abstand der Passsicherste aufseiten der Istanbuler (92 Prozent Erfolgsquote) und bestach auch durch eine starke Zweikampfführung (80 Prozent gewonnen).

Özcan bremst Bruno Fernandes aus: "Darauf habe ich Bock!"

Das Leben und Wirken von Uniteds Spielmacher Bruno Fernandes auf dem Platz litt sichtlich darunter und sobald die Kreise des Portugiesen, der seit seinem Wechsel im vergangenen Winter in 32 Spielen auf wahnsinnige 28 Scorerpunkte kommt, eingeengt sind, geht nicht mehr viel bei Manchester United.

Und so hatte Özcan, der noch auf seine erste Torbeteiligung bei Basaksehir warten muss, nicht unbedingt den kleinsten Anteil am Sensationscoup der Türken. Es sind Spieler wie Bruno Fernandes, der unter Solskjaer Herzstück der United-Offensive und wichtigster Baustein ist, mit denen sich Özcan auch sehr gerne weiterhin messen will.

"Wenn du einmal Champions League gespielt hast, willst du es nie mehr missen", erklärt er: "Du spielst gegen die besten Spieler der Welt, kannst dich mit ihnen messen und schauen, auf welchem Niveau du selbst bist."

Von seinen bisherigen Gegenspielern ist ihm besonders Kylian Mbappe von Paris Saint-Germain in Erinnerung geblieben. Der sei ihm "enorm aufgrund seiner Schnelligkeit und Dribbelstärke" aufgefallen. Top-Stars wie Mbappe oder auch Neymar zu stoppen, sei "für jeden eine Herausforderung", sagt Özcan, "aber das macht die Champions League aus. Darauf habe ich Bock."

Champions League: Tabelle der Gruppe H mit Basaksehir

PlatzSpSUNTGDiffP
1320183+56
2320146-26
3310244+03
4310225-33

Özcan beginnt beim VfB Stuttgart als Offensivspieler

Dabei war das mit dem "Gegner stoppen" eigentlich gar nicht das, wofür Özcan lange Jahre in der Jugend des VfB Stuttgart ausgebildet wurde. Dort spielte er in der U17 und U19 größtenteils als Zehner oder gar als hängende Spitze - und das sogar recht passabel. 20 Tore und 21 Vorlagen in jahrgangsübergreifend 65 Spielen sprechen für sich.

Doch schon in seiner Profidebütsaison beorderte ihn der damalige Stuttgarter Trainer Hannes Wolf eine Position nach hinten, zunächst tat das seinem Aufstieg keinen Abbruch. Zwar wurde Özcan immer mal wieder zur U19 beordert, war jedoch dennoch ein regelmäßiger Gast im Profikader und sogar in der Startelf.

Erst als Wolf bei den Schwaben entlassen wurde und an seiner Stelle Tayfun Korkut das Ruder übernahm, wurde es für Özcan schwieriger. Korkut schob den damals erst 20-Jährigen immer wieder in die 2. Mannschaft ab. Am Ende ging Özcan im Januar 2019 zum HSV, wo mittlerweile sein Stuttgarter Förderer Wolf als Trainer übernommen hatte.

In der Rückrunde war Özcan bei den Hanseaten gesetzt, doch die Mannschaft verpatzte im Saisonendspurt den Wiederaufstieg in die Bundesliga. Wolf musste abermals gehen und mit ihm zog auch Özcan weiter.

Özcan scheitert beim HSV: "Bekam Signale"

"Ich bekam Signale, dass der neue Trainer (Dieter Hecking, d. Red.) nicht mit mir planen würde", sagte Özcan vor ein paar Wochen im Interview mit Sport1: "Dann kam die tolle Chance bei Basaksehir, das sich schon früher öfter um mich bemüht hatte."

"Aus Deutschland geflohen", sagt er, sei er nicht und auch halte er noch Kontakt zu einigen Leuten beim HSV. Den Wechsel, der zunächst auf Leihbasis angelegt war und in diesem Sommer endgültig fixiert wurde, bereut er jedoch keine Sekunde.

"Mit dem HSV bin ich nicht aufgestiegen und jetzt darf ich Champions League spielen. Der Wechsel war rückblickend also die richtige Entscheidung", erzählt er. Und unter dieser litten am Mittwoch besonders Bruno Fernandes und Manchester United.

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