Fussball

Ilkay Gündogan über BVB-Sieg gegen Malaga: "Bis heute einer der unvergesslichsten Momente meiner Karriere"

Von Michael Reis
Ilkay Gündogan im Trikot des BVB.

Es ist der 9. April 2013. Im Signal Iduna Park läuft bereits die Nachspielzeit. Borussia Dortmund liegt im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Malaga mit 1:2 zurück. Mit einem Doppelschlag von Marco Reus und Felipe Santana vollbringt der BVB noch das Wunder und zieht ins Halbfinale ein. Für Ilkay Gündogan ist diese magische Nacht immer noch in bester Erinnerung.

"Alle liegen sich in den Armen, Emotionen pur. Das ist unersättlich. Da bekomme ich nochmal Gänsehaut, denn das ist bis heute einer der unvergesslichsten Momente meiner Karriere, obwohl ich da gar nicht mehr auf dem Feld stand", erklärte der Nationalspieler am Mikrofon für die Serie DAZN Retro Games.

Zusammen mit Alex Schlüter kommentierte der Nationalspieler das gesamte Spiel noch einmal im Re-Live. Die Partie zwischen Dortmund und Malaga ist auch in den kommenden Tagen noch in voller Länge mit Gündogan als Co-Kommentator auf DAZN abrufbar.

Unvergessen war Gündogans Jubellauf nach Abpfiff - und der Zusammenprall mit Malagas Torhüter Willy Caballero. "Ich konnte mich vor Freude nicht mehr halten, wusste nicht, was ich machen sollte. Ich habe nur versucht, irgendeinen Teamkollegen zu umarmen und bin dann mit Willy zusammengerasselt. Bei City haben wir noch häufiger über diese Aktion geredet", erinnert sich Gündogan mit einem Lächeln.

Gündogan: "Bei mir war die Hoffnung auch nicht mehr so groß"

Der Mittelfeldstratege macht aber auch keinen Hehl daraus, dass er kurz zuvor selbst nicht mehr an ein Weiterkommen geglaubt hat: "Zu dem Zeitpunkt waren wohl die meisten BVB-Fans pessimistisch. Die Wahrscheinlichkeit weiterzukommen ist mit jeder Sekunde gesunken. Um ehrlich zu sein: Bei mir war die Hoffnung auch nicht mehr so groß."

Gündogan, der 2011 für 5,5 Millionen Euro vom 1. FC Nürnberg nach Dortmund wechselte und 2016 für 27 Millionen Euro zu ManCity transferiert wurde, glaubt fest daran, dass ihn das Drama von damals stark gemacht hat. "Man muss solche Drucksituationen durchlebt haben, um damit besser umzugehen und zu wissen, was richtig ist. Wichtig ist, nie die Geduld zu verlieren und auf den richtigen Moment zu warten", sagte Gündogan.

Gündogan über BVB: "Wie in einem positiven Rausch"

Für den 29-Jährigen gab es zu der Zeit beim BVB einen großen Vorteil gegenüber den Gegnern: "Wir haben nicht an uns gezweifelt. Es kam alles instinktiv. Wir haben einfach drauflos gespielt und uns kaum noch gefragt, wie man ein Spiel angeht, weil wir eine klare Vorstellung und Überzeugung hatten. Es war wie in einem positiven Rausch."

Ein zweiter wichtiger Faktor sei die Chemie im Team gewesen. "In all den Jahren kann ich mich nur an einen Streit erinnern. Das war ein Vorfall ein Jahr zuvor zwischen Lucas Barrios und Lewy in der Kabine. Ansonsten war die Stimmung richtig positiv. Wir waren eine intakte, homogene Mannschaft. Nur so konnte der Erfolg kommen", erinnert sich Gündogan.

Jürgen Klopp? "Hat auch mal herumgeschnauzt"

Natürlich hatte auch Trainer Jürgen Klopp seinen Anteil an der Entwicklung der Borussia. "Es war die Art und Weise, wie wir Fußball spielen sollten und wie Kloppo es wollte. Balleroberung, schnelles Umschaltspiel, schnelle Kombinationen und dann eiskalt verwerten. Im Abschlusstraining vor solch wichtigen Spielen musste immer Zug drin sein. Da hat Kloppo dann auch mal herumgeschnauzt, wenn es nicht lief."

Viel Kontakt zu den Teamkollegen von früher hat er nicht mehr, auch wenn er während der Übertragung Mats Hummels für seine anfängliche Reservisten-Rolle per WhatsApp foppte und dieser sich lustig revanchierte.

"Man geht einfach auseinander, wenn man wechselt. Das ist wie im Leben. Bei der Nationalmannschaft sehe ich Marco Reus ja noch häufiger. Und auch mit Mats schreibe ich noch. Einzig Julian Schieber ist ein echter Freund geworden und geblieben. Mit ihm habe ich richtig viel Kontakt", sagte Gündogan.

Ilkay Gündogan schwärmt von Robert Lewandowski

Die Karriere der Mitspieler verfolgt Gündogan aber selbstverständlich noch. So wie die von Robert Lewandowski. "Es war eine Riesenfreunde, mit ihm zusammenzuspielen. Er hat noch einmal eine extreme Entwicklung gemacht. Technisch war er immer versiert, nun hat er auch noch die nötige Kaltschnäuzigkeit. Die Art und Weise, wie er die Tore erzielt, ist phänomenal. Für mich der derzeit beste, kompletteste Stürmer auf der Welt", meinte Gündogan.

Der Spaß an den 90 Minuten im Re-Live wird nur einmal ein wenig getrübt. Bei der Erinnerung an die Südtribüne überkommt Gündogan etwas die Melancholie: "Sie zu sehen ist immer noch emotional. Ich hatte dort schwierige, aber auch sehr viele schöne Momente. Von der Atmosphäre ist es das beste Stadion in Europa. Und jetzt, wo man dort nicht spielt, weiß man das noch mehr zu schätzen."

Ilkay Gündogan: Leistungsdaten im BVB-Trikot

SpieleToreAssistsMinuten
157152011.979
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