Fussball

Yussuf Poulsen bei RB Leipzig: Wie sich der Ur-Bulle unverzichtbar machte

Von Max Schrader
Yussuf Poulsen hat sich bei RB Leipzig unverzichtbar gemacht.

Unter Ralph Hasenhüttl schien die Zeit von Yussuf Poulsen bei RB Leipzig bereits vorbei. Doch seit dem Trainerwechsel startet Poulsen auf und neben dem Platz durch und ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken.

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Poulsen ist kein typischer Stürmer. Der 25-Jährige interpretiert seine Rolle, anders als mancher Bundesliga-Stürmer, nicht über das Toreschießen, sondern vielmehr über seine Arbeit für das Team.

Die Arbeit gegen den Ball ist bei Poulsen nahe an der Perfektion. Er kann seine Gegner über den Platz jagen, aber auch clever lauern, um im richtigen Moment den Ball zu erobern. Das bekam Niklas Süle im Top-Spiel am Samstag gegen Leipzig zu spüren, als Poulsen einen Pass des Bayern-Verteidigers abfälschte und so einen gefährlichen Angriff einleitete.

Rangnick: "Unser Spiel ist Yussuf auf den Leib geschneidert"

In der 81. Minute erhoben sich die Zuschauer in der Leipziger Red-Bull-Arena, um Poulsen für seine aufopferungsvolle Leistung zu feiern. Erschöpft ging er vom Feld. Zuvor hatte er knapp elf Kilometer abgerissen, zu diesem Zeitpunkt mehr als alle anderen Leipziger. An den ersten vier Spieltagen spulte der Däne sogar 43,9 Kilometer ab, nur fünf Mittelstürmer legten eine größere Distanz zurück.

Der Däne ist seit 2013 im Verein. Damals hießen die Gegner noch Stuttgarter Kickers oder Elversberg. Poulsen ist somit eine Art Ur-Bulle. Er ist mit Diego Demme der dienstälteste RB-Spieler im Kader. Mit den Jahren haben sich zwar viele Dinge verändert, doch die Spielphilosophie ist immer noch die gleiche, die Ralf Rangnick damals in die RB-Seele eingepflanzt hat: pausenloses Pressing und Tempospiel.

Unter Ralph Hasenhüttl kam Poulsen kaum zurecht und saß häufig auf der Bank, da der Ex-Trainer das Team spielerisch weiterentwickeln wollte. Der Einsatz konnte Poulsen zwar nie abgesprochen werden, doch seine Bewegungen mit dem Ball wirkten oft unglücklich.

Yussuf Poulsen im Steckbrief

geboren15. Juni 1994 in Kopenhagen
Größe1,92 m
Gewicht84 kg
PositionStürmer
starker Fußrechts
StationenLyngby Jugend, Lyngby BK, RB Leipzig
Bundesligaspiele/-tore94/25

Poulsen: Ersatz unter Hasenhüttl - Renaissance unter Rangnick

Der großgewachsene Däne (1,93 Meter) passte mit seiner Übersetzung nicht in das Hasenhüttl-System, sodass technisch-versiertere Spieler wie Bruma oder Jean-Kevin Augustin häufig den Vorzug vor ihm erhielten. In seinen ersten beiden Bundesliga-Jahren ging nur knapp jeder zehnte Schuss ins Tor - zu wenig für einen Stürmer. So war es nicht verwunderlich, dass er in der Rückrunde 2017/2018 nur sechsmal in der Startelf stand.

Es war für ihn so etwas wie glückliche Fügung, dass sich die Leipziger von Hasenhüttl trennten und Rangnick erneut den Trainer gab. Bei seiner Übernahme sprach Rangnick davon, wieder "zurück zu den Anfängen" zu gehen. Perfekt für Poulsen.

Schon nach wenigen Spielen zeigte sich, dass er das Vertrauen des Trainers spürte und dies sogar mit Toren zurückzahlte. Das Pressing-Team Leipzig jagte wieder die Gegner und war auf Poulsens Wege angewiesen. "Yussuf ist die Art und Weise, wie wir jetzt spielen, fast auf den Leib geschneidert", erklärte Rangnick.

Poulsen im Nagelsmann-System unverzichtbar

Im Interview mit SPOX und DAZN sprach Poulsen davon, wie er sich technisch weiterentwickelte. In dieser Saison präsentiert sich der 24-Jährige eher als Vorbereiter. In den bisher vier Bundesliga-Spielen legte er schon drei Treffer vor und erzielte einen selbst - eine Torbeteiligungsquote von 40 Prozent.

Julian Nagelsmann weiß seinen Stoßstürmer zu schätzen, einen Typen wie er ihn in Sandro Wagner oder Adam Szalai in Hoffenheim hatte. Große, bullige Stürmer, die sich nicht zu schade sind, viele Wege zu gehen und gleichzeitig immer anspielbar zu sein. So war es nicht verwunderlich, dass Nagelsmann im Frühjahr dieses Jahres sein Go für eine vorzeitige Vertragsverlängerung von Poulsen gab.

Nagelsmann hat den typischen RB-Fußball in kürzester Zeit weiterentwickelt - kontrollierter Ballbesitz ist hier das Stichwort.

Poulsen entwickelt sich zum Führungsspieler

Dennoch sind die Grundprinzipien der Rangnick-Zeit noch deutlich erkennbar: Tempo-Gegenstöße und Pressing. Durch das von Nagelsmann neu installierte 3-5-2-System ohne Flügelstürmer zieht es Timo Werner öfter nach außen. So muss Poulsen im Zentrum in mehr Zweikämpfe, was sich in den Statistiken widerspiegelt. In vier Spielen musste er bereits in 63 Zweikämpfe - nur vier Stürmer gingen häufiger in ein direktes Duell.

Auch neben dem Feld hat sich Poulsen weiterentwickelt: Von dem schüchternen Youngster, der am liebsten jeden freien Tag in Kopenhagen verbrachte, ist er zum Führungsspieler gereift. Mithilfe eines Mentaltrainers will der Stürmer noch stärker werden, um das Team noch besser zu führen.

Die dazugewonnene Reife hilft ihm auch im eigenen Spiel. Früher war er häufig zu hektisch oder dachte zu viel nach und ließ es an Handlungsschnelligkeit fehlen. Davon ist nichts mehr zu sehen. Poulsen ist gestandener Leitbulle und so wertvoll wie nie zuvor.

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