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Fussball

FC Bayern München deklassiert Eintracht Frankfurt: Das ist Flicks neue Herausforderung

Hansi Flick kann sich beim FC Bayern München eines tiefen Kaders erfreuen.

Beim 5:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt profitierte der FC Bayern München nicht nur von einem überragenden Robert Lewandowski, sondern auch von der Kadertiefe. Trainer Hansi Flick scheint seine neue Herausforderung zu genießen.

"Was soll ich zu ihm noch sagen", sagte Hansi Flick nach dem überzeugenden 5:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt, angesprochen auf Robert Lewandowski, und wollte damit natürlich sagen: Seine Treffsicherheit ist unglaublich, aber hinlänglich bekannt.

Woche für Woche trifft Lewandowski und trifft wieder und stellt dabei Rekorde auf, von denen man vorher gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt. Mit seinem Dreierpack gegen Frankfurt (10., 26. und 60.) krönte sich Lewandowski beispielsweise zum besten Torschützen nach fünf Bundesligaspieltagen aller Zeiten (zehn Treffer) und brach somit einen Rekord, den er in der vergangenen Saison selbst eingestellt hatte.

Irgendwann fiel Flick dann aber doch noch etwas ein, was es zu Lewandowski zu sagen gibt: "Er hat sich heute angemeldet, dass er ausgewechselt werden möchte. Das ist vielleicht eine Neuigkeit, weil es das davor noch nicht gegeben hat." Und damit war Flick - drei Tage nach dem Champions-League-Spiel gegen Atletico Madrid und drei Tage vor dem Champions-League-Spiel bei Lokomotive Moskau - auch schon beim Thema des Tages angekommen: Rotation, Belastungssteuerung und Kadermanagement.

Als Flick im Sommer zunächst gelassen und dann immer vehementer darauf hingewiesen hatte, dass sein Kader im Übrigen zu klein ist und noch verstärkt werden müsse - was mit den Verpflichtungen von Bouna Sarr, Marc Roca, Douglas Costa und Eric Maxim Choupo-Moting spät geschehen ist -, da dachte er wohl an Spiele wie dieses. Beim Sieg gegen Frankfurt profitierte der FC Bayern nicht nur von einem überragenden Lewandowski, sondern auch von der Kadertiefe.

FC Bayern und die Rochaden von Costa und Coman

Da neben dem wohl zu Unrecht Corona-positiven Serge Gnabry wegen einer Rotsperre auch der beim 4:0-Sieg gegen Atletico so überzeugende Corentin Tolisso fehlte, musste Flick umbauen. Thomas Müller rückte wieder in die Mitte und als einer von vier neuen Spielern kam Douglas Costa rein, der dann mit dem anderen Flügelstürmer Kingsley Coman immer wieder munter die Seiten tauschte.

"Es ist bei uns wichtig, dass man flexibel agiert. Das hat er gut gemacht", lobte Flick und erinnerte sich an "einige gute Szenen" von Costa, etwa seinen Pass zu Lewandowski vor dessen Treffer zum 3:0. Diesen Pass spielte Costa in der 60. Minute und somit gerade noch rechtzeitig: "Nach 60, 65 Minuten ist aktuell Schluss bei ihm. Was die Fitness betrifft, müssen wir ihn noch auf das nächste Level heben."

Leroy Sanes Comeback und Bouna Sarrs Bundesligadebüt

Also wechselte Flick Costa gemeinsam mit dem darum bittenden Lewandowski und dem zuletzt äußerst überstrapazierten Müller aus und brachte mit Javi Martinez einen Veteran und mit Eric Maxim Choupo-Moting und Leroy Sane zwei weitere Neuzugänge. Für Sane war es das Comeback nach überstandener Kapselverletzung und es dauerte keine fünf Minuten, ehe er es per traumhaftem Schlenzer zum 4:0 krönte (72.). Zuletzt habe Sane mit Co-Trainer Miroslav Klose extra Abschlüsse trainiert, erzählte Flick: "Das kam ihm heute zugute."

Das Zuspiel vor seinem Tor kam von Sarr, der sein Bundesligadebüt feierte und somit dem Stammrechtsverteidiger Benjamin Pavard eine Pause ermöglichte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten fand Sarr immer besser ins Spiel und setzte in der Offensive gute Akzente - auch dank der aufmerksamen und lautstarken Anleitungen seiner Mitspieler. Niemand wurde so durchgängig gecoacht wie er.

Mitte der ersten Halbzeit wusste Sarr mal nichts anzufangen mit dem Ball, also rief Müller "diagonal, diagonal" und als die Chance auf einen Seitenwechsel vertan war "King, King". Also spielte Sarr den Ball zu Coman. "Bouna hat ein gutes Spiel gemacht", fand Flick. "Es ist wichtig, dass alle anderen merken: 'Hey, da ist noch einer, der auch richtig gut ist.' Das kitzelt vielleicht das eine oder andere Prozent raus."

Hansi Flicks neue Herausforderung beim FC Bayern

Es war ein Satz, der die Vorteile der aktuellen Kadertiefe perfekt zusammenfasste - und den Flick entsprechend genüsslich aussprach. Das Tüfteln an der perfekten Belastungssteuerung unter schwersten Bedingungen und das damit einhergehende Rotieren ohne dabei die Statik der Mannschaft zu gefährden: All das macht ihm sichtlich Spaß und ist gleichzeitig eine neue Herausforderung für ihn.

Als Flick den FC Bayern in der vergangenen Saison zum Triple führte, vertraute er zumeist auf eine eingespielte Startelf, die er lediglich punktuell und dann meist nur aufgrund von Verletzungen umbaute. Derzeit aber rotiert er deutlich mehr - teils gezwungen, teils ungezwungen. In den ersten neun Pflichtspielen der Saison setzte Flick schon 30 Spieler ein und damit einen mehr als in der ganzen vergangenen Saison.

Alphonso Davies' Verletzung und die Folgen

Nach guten Auftritten von Lucas Hernandez als Linksverteidiger gab Flick gegen Frankfurt wieder mal dem Senkrechtstarter der vergangenen Saison Alphonso Davies eine Chance, doch der knickte in der Anfangsphase ohne gegnerische Einwirkung um und zog sich einen Bänderriss im rechten Sprunggelenkt zu. Die Ausfallzeit bezifferte Flick mit sechs bis acht Wochen.

"Wir müssen schauen, dass wir auf der Position ein bisschen kreativ werden, um trotzdem die Möglichkeit zu haben, immer mal wieder zu wechseln", sagte Flick und meinte damit: Der nominelle Ersatzmann Hernandez wird links hinten nicht bis Davies' Rückkehr durchspielen. Flick verwies auf die hauseigene Reservemannschaft, wo zuletzt der 20-jährige Neuzugang von Greuther Fürth Alexander Lungwitz und der 19-jährige Franzose Remy Vita als Linksverteidiger agierten. Und er verwies auch auf flexible Spieler aus dem Profikader, womit er nur Abwehrchef David Alaba und unter Umständen auch Pavard gemeint haben könnte.

Pavard saß gegen Frankfurt übrigens die vollen 90 Minuten auf der Bank. In der Schlussphase brachte Flick mit dem erst 17-jährigen Jamal Musiala lieber noch einen Offensivspieler - und der dankte es ihm mit seinem Treffer zum 5:0 (90.). Kurz darauf pfiff Schiedsrichter Markus Schmidt das Spiel ab. Während die übrigen Spieler in die Kabine verschwanden, blieb Sane allein draußen und sprintete ein paar Mal von einem Strafraum zum anderen und wieder zurück.

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