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RB Leipzig - FC Bayern 1:1: FCB lässt Big Point liegen - Neuer wütend

Manuel Neuer haderte mit dem Auftritt des Rekordmeisters.

Der FC Bayern München hat einen Big Point im Kampf um die Tabellenführung der Bundesliga verpasst. In einem über weite Strecken hochklassigen Spitzenspiel bei RB Leipzig kam der Rekordmeister trotz einer starken Leistung in Halbzeit eins nur zu einem 1:1 (1:1).

Durch den Punktgewinn bleibt Leipzig mit einem Zähler Tabellenführer vor dem BVB, der sich am Nachmittag mit 4:0 gegen Bayer Leverkusen behauptet hatte. Der FCB hat acht Zähler auf dem Konto und damit zwei Punkte Rückstand.

"Wir hätten das Spiel eigentlich schon in der ersten Halbzeit entscheiden müssen", sagte der sichtlich frustrierte Bayern-Keeper Manuel Neuer nach dem Abpfiff bei Sky. "Das 1:1 kurz vor der Pause hat uns dann so ein bisschen gekillt. Wir hatten nicht mehr die Selbstverständlichkeit in unserem Spiel und haben viele Fehlpässe gespielt. Das darf uns hier in Leipzig nicht passieren."

"Für uns fühlt sich das Unentschieden wie ein Sieg an. Nach der ersten Halbzeit waren wir sehr glücklich über das 1:1", erklärte der Leipziger Sportvorstand Oliver Mintzlaff.

RB Leipzig - FC Bayern : Die Stimmen

Niko Kovac (Trainer FC Bayern): "Wir haben in der ersten Halbzeit sensationell gut gespielt. Das war die beste Leistung. Wir haben nichts zugelassen, müssen natürlich mehr Tore schießen und dürfen in der Nachspielzeit nicht den Elfmeter kassieren, wo wir uns selbst in Schwierigkeiten bringen. Wir sind enttäuscht und verärgert. Wenn wir in der ersten Halbzeit zwei, drei Tore schießen, dann passiert hier nichts mehr."

Manuel Neuer (Kapitän FC Bayern): "Wir hätten das Spiel eigentlich schon in der ersten Halbzeit entscheiden müssen. "Das 1:1 kurz vor der Pause hat uns dann so ein bisschen gekillt. Wir hatten nicht mehr die Selbstverständlichkeit in unserem Spiel und haben viele Fehlpässe gespielt. Das darf uns hier in Leipzig nicht passieren. Das hätte am Ende auch eine Niederlage für uns werden können."

Julian Nagelsmann (Trainer RB Leipzig): "In der ersten Halbzeit war es für uns wie ein Waldlauf ohne viel Fußball. Wir hatten wenig den Ball und dann kann Timo Werner ihn auch nur wenig haben. In der zweiten Halbzeit war auch er besser im Spiel, da hätten wir auch in Führung gehen können. Am Ende ist das Ergebnis nicht mega verdient, aber auch nicht unverdient."

Yussuf Poulsen (RB Leipzig): "In der ersten Halbzeit haben wir die Mitte nicht zugekriegt. In der zweiten Halbzeit haben wir umgestellt, das hat viel besser funktioniert. Wir waren dann die bessere Mannschaft. Wir kommen mit dem 1:1 in die Halbzeit, da können wir sehr froh sein, weil es war keine gute erste Halbzeit."

Emil Forsberg (RB Leipzig): "Ein Tor zu kriegen nach drei Minuten gegen Bayern, ist nicht einfach. In den ersten 45 Minuten waren wir nicht gut und hatten keinen Zugriff. Wir hatten keine Power, als wir den Ball gewonnen haben. In der zweiten Halbzeit hatten wir mehr Druck auf die Bayern. Wir hatten ein bisschen mehr Mut und haben uns bessere Chancen herausgespielt."

RB Leipzig - FC Bayern : Die Analyse

RB-Coach Julian Nagelsmann reagierte auf den Ausfall von Kevin Kampl mit einer Systemumstellung vom 4-4-2 aufs 3-5-2. Für den an einer Sprunggelenksverletzung laborierenden Mittelfeldspieler kam Nordi Mukiele in die Startelf und bildete zusammen mit Willi Orban und Ibrahima Konate eine Dreierabwehrkette.

Bayern-Trainer Niko Kovac blieb dem 4-2-3-1 mit Joshua Kimmich und Thiago auf der Doppelsechs treu. Gegenüber dem 6:1 am vergangenen Spieltag gegen Mainz bekamen Serge Gnabry und Thomas Müller den Vorzug vor Ivan Perisic und Coutinho. Kovac musste allerdings noch kurzfristig auf David Alaba verzichten, der sich beim Aufwärmen eine muskuläre Verletzung zuzog. Jerome Boateng rückte dafür überraschend in die Innenverteidigung, während Neuzugang Lucas Hernandez den Part auf der linken Abwehrseite übernahm.

Die neu formierte Münchner Defensive wurde in der ersten Halbzeit jedoch kaum gefordert. Die Gäste kontrollierten von Anfang an Ball und Gegner, gewannen fast alle zweiten Bälle und setzten überaus viele Nadelstiche im letzten Drittel. Die frühe Führung durch Robert Lewandowski, der nach einem feinen Schnittstellen-Pass von Müller eiskalt im Eins-gegen-Eins mit RB-Schlussmann Peter Gulacsi blieb (3.), ermutigte das Kovac-Team zusätzlich, den Gegner früh unter Druck zu setzen.

Forsbergs Elfmeter stellt das Spiel auf den Kopf

Die Hausherren hingegen agierten passiv, kamen ob des Passpiels der Bayern vorne nur selten in die von Nagelsmann gewünschten Pressingsituationen. Dass die beiden Mannschaften dennoch mit einem Remis in die Pause gingen, war einem durch Hernandez verursachten Elfmeter an Yussuf Poulsen geschuldet. Forsberg verwandelte souverän - und stellte den Spielverlauf zu einem psychologisch entscheidenden Zeitpunkt völlig auf den Kopf.

Die Sachsen kamen beflügelt aus der Kabine, wozu auch Nagelsmanns Systemumstellung aufs 4-4-2 beitrug. Sechser Diego Demme ersetzte Rechtsverteidiger Lukas Klostermann und sicherte das bisweilen entblößte Leipziger Zentrum an der Seite von Konrad Laimer ab. Die Bayern hatten weitaus weniger Zugriff auf das Spiel, erspielten sich dennoch immer wieder Chancen. In der letzten halben Stunde entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit Gelegenheiten auf beiden Seiten. Einen Sieger gab es am Ende nicht.

Die Daten des Spiels RB Leipzig - FC Bayern

  • Tore: 0:1 Lewandowski (3.), 1:1 Forsberg (45.+3)
  • Mit acht Punkten nach vier Spieltagen legt der FCB seinen schlechtesten Saisonstart seit fünf Jahren hin - 2014/15 wurde man trotzdem am Saisonende mit zehn Punkten Vorsprung Meister.
  • Thiago bestritt sein 200. Pflichtspiel im Bayern-Trikot.
  • Fünf seiner letzten sieben Bundesliga-Tore erzielte Forsberg per Strafstoß.

Der Star des Spiels: Kingsley Coman (FC Bayern)

Wirbelte auf dem rechten Flügel, ging immer wieder ins Eins-gegen-Eins und setzte sich einige Male sehenswert durch. War damit der Aktivposten in Münchens Offensive und hatte Pech, als Lewandowski seine Hereingabe nur knapp verpasste (52.). Bei RB stark: Poulsen, der den Elfmeter zum 1:1 geschickt herausholte und fast 70 Prozent seiner Zweikämpfe gewann.

Der Flop des Spiels: Lukas Klostermann (RB Leipzig)

Unglücklicher Auftritt des deutschen Nationalspielers. War vor dem 1:0 zu unaufmerksam, als er gegen Müller den Ball verlor. Vergab kurz darauf eine gute Chance. Gewann keinen Zweikampf und wurde folgerichtig in der Halbzeit ausgewechselt. Bei den Bayern schwach: Thiago, der vor dem Elfmeter zum 1:1 einen fatalen Fehlpass spielte, und Gnabry, der sich etliche Male festlief.

Der Schiedsrichter: Sascha Stegemann

Musste zum Ende des ersten Durchgangs zwei heikle Entscheidungen im Strafraum treffen. Zeigte nach einem Duell zwischen Sabitzer an Hernandez erst auf den Punkt, ließ sich aber korrekterweise vom VAR umstimmen (39.). Für einen Elfmeter reichte der Kontakt nicht aus. Anders sah es in der Nachspielzeit auf der Gegenseite aus, als Hernandez gegen Poulsen zu spät kam. Der Däne stellte seinen Körper klug zwischen Ball und Gegner und wurde von dem Knie des Franzosen zu Fall gebracht. Stegemann zögerte keine Sekunde, der VAR griff in dieser Situation erst gar nicht ein. Ansonsten bekam der 34 Jahre alte Unparteiische aus Niederkassel wenig zu tun.

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