FC Bayern München: Robert Lewandowskis Rekordjagd und das Schreckensszenario Peter Meyer

Robert Lewandowski erzielte in dieser Saison elf der 22 Pflichtspieltoren des FC Bayern München.
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Mit seinem Doppelpack beim 4:0-Sieg gegen den 1. FC Köln erhöhte Robert Lewandowski sein Trefferkonto in der Bundesliga auf neun. Die Abhängigkeit des FC Bayern München von seinem 31-jährigen Torjäger ist enorm.

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Neun Tore in den ersten fünf Bundesligaspielen einer Saison schaffte vor Robert Lewandowski nur einer: Peter Meyer in der Saison 1967/68 für Borussia Mönchengladbach - und das ist ein ganz fatales Omen für den FC Bayern. Lewandowski sollte sofort damit aufhören, so zu sein wie Peter Meyer!

Dessen Geschichte ist nämlich eine tragische, für den FC Bayern ist sie das Schreckensszenario schlechthin. Nach seinen fabelhaften Saisonstart traf Meyer damals weiter und weiter, mit einem Doppelpack am 15. Spieltag erreichte er die Marke von 19 Treffern. Doch dann kam der 9. Januar 1968. Bei einer unverfänglichen Trainingseinheit brach er sich das Schien- und Wadenbein.

Meyer fehlte wegen seiner Verletzung eineinhalb Jahre lang, feierte am 1. Spieltag der Saison 1969/70 sein Comeback, musste nach 45 Minuten unter Schmerzen ausgewechselt werden und beendete seine Profikarriere. Deshalb: Lewandowski sollte sofort damit aufhören, so zu sein wie Peter Meyer! Sollte ihm ein ähnliches Schicksal ereilen, hätte der FC Bayern ein Problem. Für Lewandowski gibt es nämlich keinen Ersatz.

In der Saison 1967/68 erzielte Peter Meyer in den ersten fünf Bundesligaspielen ebenfalls fünf Tore. Im Laufe der Saison verletzte er sich aber schwer und musste deshalb letztlich seine Profikarriere beenden.
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In der Saison 1967/68 erzielte Peter Meyer in den ersten fünf Bundesligaspielen ebenfalls fünf Tore. Im Laufe der Saison verletzte er sich aber schwer und musste deshalb letztlich seine Profikarriere beenden.

Kimmich: "Darauf angewiesen, dass Robert gesund bleibt"

Thomas Müller, Serge Gnabry oder Ivan Perisic könnten zwar theoretisch in der Sturmspitze spielen, aber ob das dem Gesamtwohl zuträglich wäre, ist sehr fraglich. Jann-Fiete Arp ist zwar ein gelernter Mittelstürmer, kam aber vom Hamburger SV, ist erst 19 Jahre alt und erzielte noch nicht einmal halb so viele Profitore wie Lewandowski nur in dieser Bundesligasaison. Joshua Zirkzee hat zwar eine lustige Frisur und ist ebenfalls gelernter Mittelstürmer, ist aber erst 18 und erzielte in seiner Karriere noch kein einziges Profitor.

"Wir sind schon ein Stück weit darauf angewiesen, dass Robert gesund und fit bleibt", sagte dessen Mitspieler Joshua Kimmich also nach dem 4:0-Sieg gegen den 1. FC Köln im ZDF. Obwohl Lewandowski bisher immun gegen Knochenbrüche und Muskelrisse zu sein scheint und seit seiner Ankunft beim FC Bayern 2014 erst elf Pflichtspiele verpasste: Je öfter er trifft, desto größer ist die Abhängigkeit von ihm und automatisch auch die Angst vor einer Verletzung.

Lewandowski traf in dieser Saison in jedem einzelnen Pflichtspiel und erzielte dabei elf von 22 Saisontoren des FC Bayern. Das sind 50 Prozent! In der Bundesliga machte er in dieser Saison bisher mehr Tore als 13 ganze Vereine. Aktuell trifft er 1,8 Mal im Schnitt. Sollte er genau so weitermachen, stünde er am Saisonende bei 61,2 Bundesligatoren.

Lewandowski jagt zwei Rekorde von Gerd Müller

Und damit zu Gerd Müller. Der erfolgreichste aller Bundesligastürmer hatte im Laufe seiner Karriere nach fünf Spielen zwar niemals neun Treffer auf dem Konto, er brach sich aber auch nie das Schien- und Wadenbein. Einmal, in der Saison 1971/72, stand er nach fünf Spielen gar bei nur einem Tor. Am Ende stellte er den bis heute gültigen Rekord von 40 Saisontoren auf. Lewandowski schaffte noch nie mehr als 30 Treffer (2015/16).

Wäre doch was, dieser Rekord? Lewandowski lächelte milde, als ihm diese Frage am Samstag in der Mixed Zone gestellt wurde, und sagte: "Das ist noch zu früh." Ob er dabei an Peter Meyer und seine tragische Geschichte dachte? Dessen Startrekord hätte Lewandowski gegen Köln übrigens nicht nur einstellen, sondern auch brechen können.

Doch statt den Elfmeter beim Stand von 2:0 als nomineller Schütze selbst zu treffen, überließ er diese Aufgabe Neuzugang Philippe Coutinho. "Für ihn war es auch wichtig, das erste Tor zu schießen", erklärte Lewandowski, der bei seinem Klub längst zum Co-Kapitän von Manuel Neuer aufgestiegen ist. Als sogenannter Führungsspieler verkündete er dann auch ganz offiziell: "Jetzt gehört Philippe richtig zum FC Bayern."

Bei Lewandowski wusste man das nicht immer so genau. Während er über die Jahre hinweg traf und traf (bisher 202 Tore in 250 Pflichtspielen), kokettierte er doch stets auch ein bisschen mit einem Wechsel zu Real Madrid. Dafür engagierte er sogar extra den berühmten Berater Pini Zahavi - doch der verlängerte neulich Lewandowskis Vertrag beim FC Bayern vorzeitig um zwei Jahre bis 2023 - 35 wäre er dann. Sollte Lewandowski bis dahin in jeder Saison Torschützenkönig werden, würde er Müller in diesem Ranking überholen.

Robert Lewandowskis Leistungsdaten in der Saison 2019/20

WettbewerbGegnerErgebnisTore
DFB-PokalEnergie Cottbus3:11
BundesligaHertha BSC2:22
BundesligaFC Schalke 043:03
BundesligaFSV Mainz 056:11
BundesligaRB Leipzig1:11
Champions LeagueRoter Stern Belgrad3:01
Bundesliga1. FC Köln4:02
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