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Fussball

Fabian Klos von Arminia Bielefeld im Interview: "Diese WhatsApp von mir war für den Trainer das beste Druckmittel auf mich"

Fabian Klos spielt seit 2011 bei Armina Bielefeld, er ist längst das Gesicht des Bundesliga-Aufsteigers und steht fast so sehr für die Stadt wie das Hermannsdenkmal.

Mit 18 Jahren spielte Fabian Klos für seinen Heimatverein SV Meinersen in der Kreisliga. Mit 32 Jahren feierte der Kapitän von Arminia Bielefeld sein Debüt in der Bundesliga. Am Samstag spielt der Stürmer gegen seinen Lieblingsverein Bayern München (18.30 Uhr im LIVETICKER). Im Interview mit SPOX und Goal verrät er, auf welches Duell er sich besonders freut.

 

Außerdem spricht Klos über das, was er als Ex-Amateur Profis voraus hat, die in einem Nachwuchsleistungszentrum waren und ob es Stürmer einfacher haben als Verteidiger, wenn sie aus den Amateurligen durchstarten wollen.

Zudem geht es im Interview um das neue Image von Arminia Bielefeld als Lieblinksklub der Fußball-Hipster und um die Fragen, was eine WhatsApp, die er im Jahr 2019 an Bielefelds Trainer Uwe Neuhaus schrieb, und sein Glaube an Karmapunkte mit dem Aufstieg Bielefelds zu tun haben könnten.

 

Herr Klos, bei der Vorbereitung auf dieses Gespräch sind wir auf ein altes Interview mit Ihnen auf SPOX vom Oktober 2012 gestoßen.

Fabian Klos: Jetzt bin ich gespannt!

Die Überschrift damals war: "Ich bin der Inbegriff des Spätstarters." Damals waren Sie 24 und spielten mit Bielefeld in der Dritten Liga. Wie würden Sie sich heute bezeichnen?

Klos: Ich würde diese Aussage heute noch mit einem Ausrufezeichen versehen. Ich weiß nicht, wie viele Spieler es gibt, die mit 32 Jahren ihr Bundesligadebüt feiern durften. Wahrscheinlich nicht allzu viele.

Fabian Klos: "Ich hatte nie einen Karriereplan"

Sie haben mit 18 bei Ihrem Heimatverein SV Meinersen in der Kreisliga Gifhorn gespielt, kamen über die Bezirks- und Oberliga zur zweiten Mannschaft Wolfsburgs und schließlich zum damaligen Drittligisten Bielefeld. Was haben Spieler, die nie in einem Nachwuchsleistungszentrum waren, jenen voraus, die schon als Jugendliche in den Nachwuchsabteilungen der Profiklubs spielen?

Klos: Wir haben nicht den Druck, schon sehr früh permanent Leistung bringen zu müssen. Gott sei Dank wird in den NLZs heute auch sehr viel Wert gelegt auf die schulische Ausbildung, aber natürlich steht da das feste Ziel im Vordergrund, Fußballprofi werden zu müssen. Spielern, die im NLZ waren, fehlt diese Unbekümmertheit, die Spieler wie ich haben. Ich hatte nie einen Karriereplan, ich habe nicht einmal daran gedacht, Profi werden zu können. Ich hatte nie Druck von außen, etwas leisten zu müssen und habe mir auch ganz selten nur selbst Druck gemacht. Ich hatte eine überragende Jugend und habe Fußball gespielt, weil mir Fußballspielen Spaß gemacht hat und weil ich gerne Zeit mit den Jungs verbracht habe.

In großen Vereinen wird schon jungen Spielern von Ämtergängen bis Wohnungssuche vieles abgenommen.

Klos: Das ist ein sehr schmaler Grat. Ich bin der Älteste bei uns in der Mannschaft und muss manchmal den Kopf schütteln, wenn ich sehe, wie viel den jungen Spielern abgenommen wird. Ich finde, dass das zu viel ist. Die Wohlfühloase sollte nie zu groß sein, sonst kannst du keine Leistung bringen und dich nicht entwickeln. Auch menschlich nicht. Aber das ist ja nicht die Schuld der Spieler. Wenn ich als junger Spieler die Möglichkeit gehabt hätte, hätte ich auch nicht drauf verzichtet. Aber in diesem Zusammenhang finde ich eines ganz wichtig ...

Bitte!

Klos: Es ist natürlich einfach, sich hinzustellen und über vermeintlich abgehobene Spieler zu meckern. Oder über Profis, die ihren Reichtum zur Schau stellen. Ich möchte mal - ganz unabhängig von der Branche - einen 20 bis 25-Jährigen, der von heute auf morgen plötzlich unfassbar viel Geld verdient und noch nicht so viel Lebenserfahrung hat sehen, ob er sich anders verhalten würde als mancher Fußballer. Auch bei uns in der Kabine gibt es Riesen-Unterschiede. Es gibt Jungs, die viel Wert auf Markenklamotten legen und immer gut gestylt sind. Ich schmeiße mir morgens ein T-Shirt über, zieh mir ne Hose und Schuhe an und fahre dann los. Ich habe mein Leben lang noch keine Uhr gehabt, mein teuerstes Kleidungsstück ist mein Wintermantel, der ein paar hundert Euro gekostet hat. Aber deswegen bin ich jetzt nicht der vernünftigere Mensch. Ich bin halt so. Wichtig ist doch einfach nur, dass man nicht über seine Verhältnisse lebt.

Fabian Klos: "... dann läufst du gegen eine Wand"

Florian Niederlechner, Hendrik Weydandt, Stefan Schimmer und natürlich Miroslav Klose: Auch andere Profis mit Amateurvergangenheit sind Stürmer. Zufall?

Klos: Es ist natürlich einfacher, als Stürmer mit einer guten Torquote aufzufallen, als wenn du als Linksverteidiger 85 Prozent deiner Zweikämpfe gewinnst. Als Mittelstürmer fällst du eher auf. Und je besser deine Mitspieler werden, umso schneller kommst du als Stürmer in gute Abschlusssituationen, die dich wiederum glänzen lassen. Das ist sicherlich so. Aber es gehört natürlich viel Arbeit dazu. Gegen Flo Niederlechner habe ich zum Beispiel auch in der Dritten Liga schon gespielt. Die Entwicklung, die er gemacht hat, ist schon phänomenal.

Kann man sich mental auf die Bundesliga vorbereiten?

Klos: Weiß ich nicht. Ich kann für mich nur sagen: Selbst wenn ich versucht hätte, mich darauf vorzubereiten, hätte ich mich nach dem ersten Spiel genauso wenig vorbereitet gefühlt wie ich es war. Ich habe am 1. Spieltag schon in der Halbzeit zum Trainer gesagt, dass es auch mit 32 Jahren in einem gehobenen Fußballeralter möglich ist, Lehrgeld zu zahlen. Ich dachte, ich hätte den Fußball verstanden, aber die Bundesliga ist noch einmal was ganz anderes. Gerade in Sachen Cleverness und Zweikampfführung. Hut ab!

Inwiefern? Was machen Bundesligaspieler anders als Zweitligaspieler?

Klos: Sie machen im richtigen Moment die richtigen Sachen. Entweder eine Bewegung nach vorne oder zur Seite oder hier mal ein Stoß an der richtigen Stelle. Das hat aber nicht nur etwas mit Körperlichkeit zu tun, da sind wir als Mannschaft den anderen Bundesligisten sicher nicht unterlegen. Aber dass uns Erfahrung fehlt, kann man nicht wegdiskutieren. Aber wir sind sehr lernwillig und lernen sehr schnell.

Sie gelten nicht als Mannschaft, die Ihre Gegner auf ihr eigenes Niveau herunterziehen möchte.

Klos: Das würde auch nicht funktionieren. Man muss sich anpassen als Aufsteiger, jedoch ohne seine eigene Identität zu verlieren. Das ist ein schmaler Grat. Paderborn hat in der letzten Saison zum Beispiel viel Lob bekommen für die Art und Weise, wie die Mannschaft Fußball gespielt hat. Wahrscheinlich auch zu Recht. Aber vom Lob kriegt man keine Punkte. Wenn du gegen jede Mannschaft versuchst, dein Spiel durchzuziehen als Aufsteiger und versuchst, die Gegner an dein Niveau anzupassen, dann läufst du gegen eine Wand.

Wieso hat Union Berlin den Klassenerhalt geschafft?

Klos: Ich weiß nicht, ob Union so viele Punkte gesammelt hätte, wenn noch mehr Spiele ohne Zuschauer hätten stattfinden müssen. Union lebt von der Atmosphäre in der Alten Försterei und spielt sehr körperlich. Grundsätzlich hat Union aber genau das gemacht, was Paderborn nicht gemacht hat: Die Mannschaft hat sich angepasst, hat geguckt, wie sie gegen den jeweiligen Gegner das Beste herausholen kann und hat deswegen auch so viele Punkte gemacht.

Ihr Trainer Uwe Neuhaus legt im Training und im Spiel sehr viel Wert aufs Positionsspiel. Hat sich da was in der Vorbereitung auf die Bundesliga geändert?

Klos: Nein. Wir haben uns natürlich vorher gesagt, dass die Gegner ein besseres Pressing spielen werden als in der Zweiten Liga und wir daher den ein oder anderen Ball auch mal lang schlagen müssen. Aber wir wollten den Ballbesitzfußball, der uns stark gemacht hat, auch weiter vorantreiben. Unser Positionsspiel ist ja nicht nur dazu da, uns von hinten nach vorne durchzukombinieren, sondern auch, um die Gegner vor Aufgaben zu stellen.

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