BVB U19 - Trainer Michael Skibbe im Interview: "Moukoko fühlt sich anderen nicht überlegen"

Michael Skibbe (3.v.l.) unterschrieb nach der EM 2008 bei Galatasaray Istanbul.
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Michael Skibbe trainierte lange im Ausland, seit diesem Sommer ist er als Chefausbilder und Coach der U19 zurück bei Borussia Dortmund. Unter seinen Fittichen: Supertalent Yousouffa Moukoko.

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Im Interview mit SPOX und Goal erklärt Skibbe, warum er dem 14-Jährigen den Sprung zum Top-Spieler zutraut. Außerdem blickt er auf seine bewegte Vergangenheit zurück und berichtet neben ausbleibenden Gehaltszahlungen in der Türkei auch von seinem "Desaster" bei Hertha BSC, Ärger mit Thomas Häßler und Spott wegen seiner einstigen Verbindung zum FC Schalke 04.

Herr Skibbe, vor Ihrer Rückkehr zum BVB waren Sie in der Türkei, der Schweiz und Griechenland tätig. Wie blicken Sie auf Ihre Auslandserfahrungen zurück?

Michael Skibbe: Positiv. Ich kann jeden Spieler und Trainer nur dazu ermutigen, ins Ausland zu gehen und neue Kulturen und Abläufe kennen zu lernen. Ich hatte eine wahnsinnig schöne und spannende Zeit im Ausland, aber auch eine lehrreiche. Seitdem ich wieder in Deutschland bin, merke ich, wie sehr sich die Bedingungen von denen in der Türkei oder in Griechenland unterscheiden.

Inwiefern?

Skibbe: In Deutschland wird viel mehr Geld und Energie in die Jugendarbeit gesteckt. In der Türkei hingegen kommen immer weniger Talente nach. Mein Ex-Verein Galatasaray hat vor kurzem ohne einen einzigen türkischen Spieler in der Startelf gegen Paris Saint-Germain gespielt. Das ist bedauerlich, weil in Sachen Kaderplanung kein klarer Zukunftsplan zu erkennen ist. Es zählt in den meisten Fällen nur die Gegenwart. Die meisten Stammspieler bei Gala sind bereits über 30.

Michael Skibbe belegt mit der U19 des BVB aktuell Platz vier der A-Junioren Bundesliga West.
© imago images
Michael Skibbe belegt mit der U19 des BVB aktuell Platz vier der A-Junioren Bundesliga West.

Skibbe: "Viele Vorstände mischten sich bei der Aufstellung ein"

Sie waren von 2008 bis 2009 bei Galatasaray. "Es fehlt hier an Disziplin", sagten Sie wenige Wochen vor Ihrem Abschied. Was genau meinten Sie damit?

Skibbe: Das war kein Angriff auf meine Spieler. Im Gegenteil: Das Training war immer auf einem sehr hohen und professionellen Niveau. Die fehlende Disziplin bezog sich eher auf die Vorstände in der Türkei, die zwar Disziplin einfordern und deshalb auch häufig Trainer aus dem Ausland verpflichten, sich aber selbst nicht diszipliniert verhalten.

Inwiefern?

Skibbe: Viele Vorstände mischten sich bei der Auswahl der Mannschaftsaufstellung ein. In meinem Fall wurde mir nichts diktiert, aber sehr wohl deutlich gemacht, wer spielen soll und wer nicht.

Haben Sie sich reinreden lassen?

Skibbe: Nein, ich habe die Aufstellung immer nach meinen Vorstellungen gewählt. Die Diskussionen mit den Vorständen waren zum Teil trotzdem sehr anstrengend. Ein beliebter Spruch von ihnen war: "Du kannst den Spieler nicht einsetzen, weil er seinen Vertrag nicht verlängert oder uns gerade verklagt."

Michael Skibbe (3.v.l.) unterschrieb nach der EM 2008 bei Galatasaray Istanbul.
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Michael Skibbe (3.v.l.) unterschrieb nach der EM 2008 bei Galatasaray Istanbul.

Skibbe: "Galatasaray hat mich zwei Jahre lang nicht bezahlt"

Wie bitte?

Skibbe: Wenn du dein Gehalt drei Monate lang nicht bekommst, kannst du deinen Verein verklagen. Das kommt in der Türkei leider sehr häufig vor und macht ruhiges, planbares Arbeiten geradezu unmöglich.

Haben auch Sie auf Ihr Gehalt warten müssen?

Skibbe: Nicht nur einmal. Eskisehirspor, meinen zweiten Verein in der Türkei, habe ich deswegen verklagt und verlassen. Gala hat mich sogar zwei Jahre lang nicht bezahlt, da fehlten mehrere hunderttausend Euro. Da ich zu diesem Zeitpunkt aber bereits bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag stand, war das für mich persönlich kein großes Problem. "Bitte verklag uns nicht, Trainer, du bekommst dein Geld", haben die Vorstände von Gala immer zu mir gesagt. Kurz bevor ich bei der Eintracht entlassen wurde, 2011 war das, haben sie dann mein ausstehendes Gehalt überwiesen. Das war sehr kurios.

Wie sind Sie damit umgegangen?

Skibbe: Die schlechte Zahlungsmoral der türkischen Klubs ist der Tatsache geschuldet, dass dort vor allem bei Spielertransfers häufig nicht vernünftig gewirtschaftet wird. Die Finanzströme sind teilweise kaum nachvollziehbar. Bei Gala war es immerhin so, dass die Vorstände sehr nette Menschen waren. Wir hatten damals ein gutes Verhältnis und treffen uns auch noch heute gelegentlich zum Essen in Istanbul. Deswegen habe ich sie nicht verklagt. Ich wusste, dass ich mein Geld irgendwann bekommen würde.

Michael Skibbe im Steckbrief

Geburtsdatum4. August 1965 (54 Jahre)
GeburtsortGelsenkirchen
NationalitätDeutsch
Stationen als TrainerFC Schalke U17, BVB U19, BVB Amateure, BVB, Deutschland (Co-Trainer), Deutschland U18, Deutschland U20, Bayer Leverkusen, Galatasaray Istanbul, Eintracht Frankfurt, Eskisehirspor, Hertha BSC, Kardemir Karabükspor, Grasshopper Zürich, Eskisehirspor, Griechenland, BVB U19
Stationen als SpielerSG Wattenscheid, FC Schalke 04